Heft 
(1908) 17
Seite
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fVas bedeutet der NameBerlin?

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bildung innerhalb gewisser Gruppen von Anschauungen sich ziemlich gleichmäßig entwickeln konnte. So finden sich in allen genannten Provinzen eine Menge von Völkernamen, die sich auf -in endigen, z. B. Rus Rußland Rusin, Russe Serb Serbien Serbin, Serbe

Ebenso Tatarzyn, Litvvin (Litauer), Greczyn (Grieche), Rzymianin (Römer).

Ebenso Ortsnamen, wie Lipin (zu lipa Linde), Stadt in der Provinz Posen; Hradschin (zu hrad Burg), die Burg in Prag, Bretzin in Mecklen­burg, zu wend. brasa, czech. bfiza, polu. brzoza (Birke); Breza, Dorf im Spreewalde, zu lausitzisch breza (Birke); Grabin, der wendische Name für Fürstenberg, zu poln. grab (Weißbuche), czech. hrab; Szwerin, zwervna, zwierzyno, der wendische Name für Schwerin, zu wend. swere (Tier), poln. zwierzyna (das hohe Wild).

Mit dem Suffix -ina werden in gleicher Weise Wörter gebildet, z. B. nowina (Neuigkeit), zu novy (neu), pierczyna (Federbett), zu pioro (Feder); s^dzina (Frau eines Richters), zu s^dzia (Richter); cielgcina (Kalb­fleisch), zu ciel$ (Kalb), czechisch teletina, zu tele (Kalb); poln. swinina (Schweinefleisch), zu swinia (Schwein), czech. svinina, zu svine; skopowina (Hammelfleisch), zu skop Hammel.

Von Ortsnamen führe ich an:

Chroscina, Dorf bei Oppeln, zu poln. chroscie (Gesträuch), Selenina, Dorf bei Berent, zu poln. zielenina (Krautgarten) und ziele (Kraut),

Jaworina in der Tatra, zu wend., czech., poln. jawor (Ahorn), Grabina, Buchenwäldchen bei Crone a. Br.,

ßuczyna und Bukowina (Rotbuchenwald), zu wend., czech., polu. buk (Rotbuche),

D^bina (Eichengehölz), zu d^b (Eiche),

Lipina, Stadt in Oberschlesien, zu wend., czech., poln. lipa (Linde),

poln. olszyna (zu olsza Erle) der Erlenwald,

czech. olsina zu olse,

sosnina (Fichtenholz) zu sosna (Fichte).

Ebenso bildet man im Lausitzisch-Wendischen von hrabja (Graf) hrabina (Gräfin),

hrab (Weißbuche) hrabina (W.-gesträuch),

hrib (Pilz) hribina (das ganze Geschlecht der Pilze),

stvvoric (schaffen) stworina (alles Geschaffene),

holic (kahl machen) holina (kahle Stelle im Walde).

Könnte nun nicht der Name Berlin mit dem den slawischen Sprachen so geläufigen Suffix -in gebildet sein? Dann käme es jetzt nur darauf an, dasjenige Wort zu finden, an welches dies Suffix angehängt ist.