Heft 
(1908) 17
Seite
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Was bedeutet der NameBerlin?

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Die Griechen (Theophrast) waren sich nicht einig darüber, ob ein ein Strauch, dessen Wurzel angeblich nach Wein riechen soll, olvo^pag oder oivoä-ripii; oder övo^pag heiße. Auch die Römer schwanken zwischen oenotheras und onothera. Ich weiß nicht, ob es gelungen ist, mit einiger Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, welche südeuropäische Pflanze wohl darunter zu verstehen sei; nur das weiß ich, daß ein aus Virginien stammendes Unkraut, das seit 1614 in Europa auf Sandfeldern verwildert vorkommt, 1 ) jetzt den griechischen Namen trägt.

Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß es seine Schwierig­keit haben muß, mit einiger Sicherheit zu bestimmen, welcher Pflanze die slawischen Völker den Namen berlo oder berla beigelegt haben. Mrongovius meint, es sei die Karlsszepter genannte Pflanze Pedicularis sceptrum, die gewöhnlich noch den Zusatz Carolinum erhält. Sie ist ziemlich selten, kommt auf Torfwiesen in Mecklenburg, Pommern, Preußen, Skandinavien vor, hat einen Stengel, der 0.301 m hoch wird und oben mit goldgelben, glockigen Blüten besetzt ist. Den Namen Karlsszepter verdankt sie, wie ich von meinem Freunde Joh. Trojan er­fahren habe, dem Schweden Olaus Rudbeck (16601740), einem Lehrer Linnes, der sie zu Ehren seines Königs, Karls XI., so genannt hat. Linne hat sie später unter dem Namen Sceptrum Carolinum in seine Flora Suecica aufgenommen und sagt von ihr:Habitat in desertis, humidis, humosis, spongiosis umbrosis Lapponiae, Dalekarliae, praesertim Ostrobolhniae inter Kemi et Uloam, prope Upsaliam. Das ist aller­dings eine stattliche Pflanze, es ergiebt sich aber aus der erst im 17. Jahrhundert erfolgten Benennung, daß mindestens der Beiname Carolinum jüngeren Datums und die willkürliche Huldigung eines Ge­lehrten, keine volkstümliche Benennung ist, daß also nach ihr die Stadt Berlin nicht genannt sein kann. Außerdem erfuhr ich im botanischen Garten zu Dahlem von den Herren Prof. Harms, Dr. Gräbner und Geheimrat Ascherson, daß die Pflanze in der Mark Brandenburg und in der Umgegend von Halle nicht vorkommt und überhaupt wohl im letzten Jahrtausend hier nicht vorgekommen ist.

Auch der czecli. Name berla bezeichnet, wenn auch keine Pflanze, so doch etwas aus dem Pflanzenreich Stammendes, einen Stab, Hirten­stab, Bischofstab, Zepter; ebenso bedeutet im Wendisch-Lausitzischen bjerlo das Zepter. Jedenfalls muß die betr. Pflanze von hohem Wuchs sein, denn daraufhin deutet die Bezeichnung Stab, Zepter. Die beinahe gleiche Benennung im Polnischen, Wendischen und Czechischen muß einen ursächlichen Zusammenhang haben; sucht man aber in den ge­wöhnlichen Wörterbüchern nach einem Anhalt, einem Grundwort, welches über die Anschauung Auskunft gibt, weshalb ein Stab gerade berlo ge-

Vgl. Garcke, Flora von Deutschland, S. 141.

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