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Dr. Grabow.
nannt worden ist, so tindet man im neueren Slawischen kein Wort, das mit berto gleicher Abstammung wäre. Auch mit dem deutschen berle, perle, hängt es nicht zusammen, denn eine Perle hat mit einem Stabe nicht die geringste Ähnlichkeit, außerdem aber haben die Slawen ihre Benennung der Perle aus dem Deutschen entlehnt; poln. und czech. perla. Vielleicht gibt das Altslawische irgend welchen Anhalt. Da linden wir brati Praes. borjfj (kämpfen) und brani (der Kampf), und diese Wörter sind wohl zu unterscheiden von poln. brac Pr. biore (nehmen) und czech. brati Praes beru, die mit dem altslaw. brati, berfj (nehmen) Zusammenhängen. Bei genauerer Umschau bemerkt man folgende Über-
einstimmungen :
•
Latein.
Altslaw. Infin.
Altslaw. Praes.
Mittelhochd.
fero
brati
berq
pern,
peran
ferio
brati
borjjj
perjan
Poln.
Inf. u. Praes.
Czech. Inf. u. Praes.
Neubochd.
fero
brad, biore
brati, beru
(ge)bären
Süddeutsch
ferio
—
—
beeren = schlagen
Daß die Lautverschiebung von lat. / zu slaw. b
eine
regelmäßige
ist, ersieht
mau aus folgenden Beispielen:
Lat.
Poln.
| Czech.
' Wend.
Deutsch
Althochd.
frater
brat
! brat
bratr
Bruder
praodar
Aber
bobr
1 bobr
bibarz
Biber
—
faba
bbb
| bob
—
Bohne
pona
fodere
bodd, bod?
i ( bodati j V bodam
bodc
(graben)
—
fagus
buk
! buk
buk
(Kot)buche
puohlia
—
Hrabia
j Hrabd
Hrabja
Graf
crafo
—
Hrabina
| Hrabinka
Hrabinka
Gräfin
—
firmare
bierzmowad
! bifmovati
/ bermowad \ firmowad
firmeln
firmön
(f>Qvg
brew
1 brv
—
(Augen)braue
prawa
Hiernach kann es keinem Zweifel unterliegen, daß slaw. berla oder berlo mit lat. ferula sprach verwandt ist, umsoweniger als auch die Bedeutungen gut zu einander passen. Nach dem lat. Wörterbuche von Georges bedeutet ferula = eine hochwachsende Doldenpflanze,
deren Stengel als Stab zum Stützen, als Strafrute für Knaben in den niederen Schulen und als das gelindeste Strafwerkzeug für Sklaven diente 1 )- Georges bringt das Wort m. E. unrichtig mit fero zusammen; ich glaube, daß es von ferio abzuleiten ist, denn es bedeutet ebenso ein Werkzeug zum Schlagen wie
') Vgl. Horaz Sat. I, 3, 120 ut ferula caedas meritum majora subire verbera, non vereor.