Heft 
(1908) 17
Seite
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Was bedeutet der NameBerlin?

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baculus (ßaxiQov) ein Werkzeug zun; Gehen (ßdoj ßuCu), capulus Fangen, Fangseil,

secula Schneiden, Sichel,

tegula Decken, Ziegel,

torculum ,. Pressen, Presse,

vinculuin Binden, Fessel.

Es kommt also zu dem Verzeichnis von ferio noch hinzu: Lat. ferula, poln. berlo, wend. bjerlo, czecli. berla, altsl. boria, brati = schlagen, kämpfen, ahd. perja, nhd. beratschlagen, an welches letztere nur noch das jetzige süddeutsche beeren = schlagen erinnert, und es ist somit erwiesen, daß von den alten Wortstämmen fero und ferio die bezügl. slawischen und deutschen Zeitwörter im Mittelalter noch vorhanden waren; im Neuhochdeutschen aber sind alle mit ferio sprachverwandten Wörter verschwunden und in den slawischen Sprachen ist nur das einzige berla, dem ferula entsprechend, übrig geblieben, das Werkzeug zum Schlagen. Das ist also der Grundbegriff, und dem entspricht An­sehen und Gebrauch der Pflanze. Nach Th. von Helderich') ist die Ferula communis L. der Mittelmeerflora eigen.Die Stengel schießen in dem kurzen Zeitraum von kaum 2 Monaten oft zu der Höhe von 3 bis 4 in empor und haben dabei an der Basis einen Durchmesser von 812 cm. Die Ferulastaude ist daher zur Zeit ihrer vollen Entwicke­lung eine höchst stattliche ornamentale Pflanzenform, und die blühenden Pflanzen machen mit ihrer kandelaberartigen Verzweigung einen sehr malerischen und imposanten Eindruck. Man kann mit Sicherheit an­nehmen, daß nicht selten Ferulastauden mit 5060 000 Blüten Vor­kommen. Der Stengel der Ferula ist mit dichtem, weißem Mark gefüllt und, da Rinde und Holzkörper sehr dicht und fest sind, ist er im trockenen Zustande trotz großer Leichtigkeit doch verhältnismäßig sehr solid. Das Mark fängt leicht Feuer und erhält es glimmend. Hiernach erklärt es sich leicht, warum Prometheus, als er das Feuer dem Zeus entwandte, es in einem Ferulastengel ev xothi) vaQ&rjxi den Menschen brachte.

Die Pflanze war dem Bachus heilig. Sein Attribut, der Thyrsus- stab, war nichts anderes als ein mit Weinlaub und Epheu umwundener Ferulastab mit einem Föhrenzapfen an der Spitze. Von alten Leuten wurde der Ferulastengel zum Gehstock benutzt, denn er bot eine leichte und dennoch feste Stütze. Die leichte Handhabung machte den Ferula- stock noch zu einem höchst zweckmäßigen Werkzeuge in der Hand des Pädagogen, der mehr dazu dienen sollte, den Schülern einen heilsamen Schrecken einzujagen, als ihnen wehe zu tun.

') Verhandlungen des botan. Vereins d. Prov. Brandenb. 1681, S. 20 ff.

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