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Karl Waase.
nennt, und wie Bretzin, Grabin und Grabina, Chroscina, Jaworina, Bukowina usw. nach den Bäumen genannt sind, welche an diesen Orten wachsen oder ehemals dort gewachsen sind. Berlin aber ist ebenfalls ein Gattungsname, der ein jedes so bewachsene Stück Land bedeutete, wie die stete Verbindung mit dem Artikel beweist. Auf dem Berlin in der Mark haben sich nach und nach Kolonisten niedergelassen, namentlich wohl Deutsche. Diese hörten den wendischen Namen immer mit der Betonung auf der zweiten Silbe, mochten die Wenden „w Berlinie“, in B., oder „do Berlina“, nach B., oder „od Berlina“, von B., sprechen. So finde ich es ei’klärlich, daß eine Ansiedlung mit wendischem Namen, Berlin, die Albrecht der Bär (f 1170) nicht gegründet haben kann, schon i. J. 1244 in den Akten von Cölln als Wohnsitz des Pfarrers (pleban) Symeon erscheint und den Eindruck einer deutschen Stadt macht.
Aus dem polnischeu und wendischen Neutrum wurde die lateinische Form Berolinum gebildet, deren o zwischen dem r und l wahrscheinlich noch auf das ursprüngliche u in ferula zurückzuführen ist.
So dürfte m. E. erwiesen sein, daß der Name Berlin ursprünglich einen sandigen, mit stattlichen Unkräutern wie Ginster, Königskerze u. dgl. bestandenen Strich Landes bezeichnete, daß diese Benennung auf das allgemeine slawische Wort berlo, welches vor mehr als 1000 Jahren durch das Christentum in die slawischen Sprachen Eingang fand, und auf das ebenfalls allgemein slawische Suffix -in hinweist.
Berlo aber ist nach feststehenden Gesetzen der Lautverschiebung desselben Stammes und derselben Bedeutung wie das lateinische ferula, der Name eines stattlichen Gewächses, in dessen markigem Stengel Prometheus nach der gi’iecbischen Sage das Feuer aus dem Olymp geholt und den Menschen gebracht hat, und das schon im Altertum ein Sinnbild der Amtswürde und Herrschergewalt war.
Neue Funde am Burgwall bei Wildberg.
Von Karl Waase, Neu-Ruppin.
(Mit einer Skizze des Walles und 5 Abbildungen nach Pkotograpbieen des Verfassers.)
Das Dorf Wildberg liegt im Kreise Ruppin, südwestlich von der Kreisstadt. Im Südosten der Ortschaft befindet sich hart am linken Ufer der Temnitz der Burgwall. Er befand sich früher im Besitz des Amtmanns Müller zu Wildberg und ist jetzt Eigentum des im gleichen Orte wohnenden Gutsbesitzers Heise. Schon Bratring erwähnt und beschreibt den Burgwall auf Seite 444. (Vergleiche: Bratring, Die Grafschaft Ruppin in historischer, statistischer und geographischer Hinsicht. Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. Berlin 1709.)