Heft 
(1908) 17
Seite
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Neue Funde am Burgwall bei Wildberg.

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Ledebur bringt von ihm einen Lokalbericht des Pfarrers Koehnsen vom 1. Febr. 1845. (Siehe: Ledebur, Die heidnischen Altertümer des Re­gierungsbezirks Potsdam. Ein Beitrag zur Altertümerstatistik der Mark Brandenburg. Seite 31.) Behla zählt ihn auf Seite 129 mit auf. (Die vorgeschichtlichen Rund wälle im östlichen Deutschland. Eine vergleichend- archäologische Studie von Dr. Robert Behla. Berlin 188S.) In der Zeit­schrift für Ethnologie ist er im Jahre 1874 auf Seite 161 beschrieben worden. An den Wall knüpft sich die Sage von der verwünschten Prinzeß und dem weißen Bullen. (Haase, Sagen aus der Grafschaft Ruppin und Umgegend. Neu-Ruppin 1877. Seite 76 u. f.) Auch Schwartz bringt dieselbe. (Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg. Berlin 1895.)

Die Form des Walles ist nicht rund, sondern mehr langgestreckt, der südliche Wallrand hat eine Einbuchtung. Der Umfang auf der Wallkrone beträgt über 200 Schritt, die Entfernung vom Ost- bis zum Westpunkte 70 Schritt, die größte Entfernung von Norden nach Süden ist 50, die kleinste 30 Schritt. (S. Wallplan!) Der Böschungswinkel beträgt im Durchschnitt 30°. Die Höhe des nördlichen Wallteiles beträgt an der Außenseite 3 bis 4 m, au der Innenseite 2 bis 3 m, die des südlichen Wallteiles steigt an der Außenseite teilweise über 5 m und erreicht im Innern 3 bis 4 m. Der Ringwall ist heute noch fast voll­ständig erhalten, er ist mit Bäumen bepflanzt; nicht beackert. Nur an einzelnen Stellen des Wallinnern, sowie am Osteingange des Walles haben kleine Abtragungen stattgefunden. Eine Holz- oder eine Steinunterlage ist beim Wildberger Burgwall nicht zu konstatieren; derselbe ist auf einer sehr flachen natürlichen Erhebung des sonst sumpfigen Temnitz- tales errichtet worden. Im Mittelalter stand auf dem Wall eine Burg. Nocli heute findet man im westlichen Teile ein viereckiges Fundament, derselbe ist vielleicht die Basis eines mittelalterlichen Turmes. Nach Bratring hing die Burg vermittels eines Dammes und einer Zugbrücke (über die Temnitz) mit dem Dorfe zusammen.Im Jahre 1713 war die Ruine des Schlosses, welches Markgraf Friedrich I. zerstört haben soll, noch ziemlich vollständig. Es beherrschte die umliegende Gegend von allen Seiten auf l 1 2 Meilen, 17 Dörfer übersieht man mit einem Blick, und die Städte Neu-Ruppin, Wusterhausen und Fehrbellin schließen den Horizont. Eine der Raubsucht jener Zeiten gewiß sehr günstige Lage. Als Graf Jakob seiner Gemahlin Anna 1478 diese Burg mit den 2 dazu gehörigen Gütern zum Witwensitz verschrieb, war sie schon verwüstet; er versprach, sie aber iu den nächsten 6 Jahren gehörig auf- und auszu­bauen, und die beiden Güter, denn diese waren verpfändet, einzulösen; der Tod überraschte ihn indessen, ehe er sein Versprechen erfüllt hatte. (Aus Bratring, S. 444.) Der Wall liegt inmitten von Wiesen in einem äußerst moorreichen Terrain. Er wird von einem Graben umgeben, der