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10. (8. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
Die unsere Provinz und Berlin betreffenden ausgezeichneten Führer und Karten sind in allen Händen. Wir wünschen dem rührigen Unternehmer ersprießliches Gedeihen seiner gemeinnützigen Tätigkeit noch für eine ferne Zukunft.
XVI. Walter Leistikow, der Maler der Mark Unter dieser Überschrift ging uns am I. v. M. von unserm verehrten Mitgliede Herrn Thassilo Graf von Sclilieben folgende Mitteilung zu.
„Tief betrauert von all seinen Freunden und all den Verehrern seiner Kunst, wie von all seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen ist in vergangener Woche Walter Leistikow in Schlachtensee gestorben- Im besten Mannesalter, auf der Höhe seines Schaffens entriss ihn uns der Tod, nachdem er schon lange von einer tückischen Krankheit gequält war, von der er seit Monaten vergeblich Heilung suchte. Unbarmherzig hat ihn der Allbezwinger Tod überwunden und dem Meister den Pinsel aus der Hand genommen, mit dem er uns so oft den herben Reiz unserer engern Heimat, der ernsten märkischen Landschaft enthüllt hat. Wie Theodor Fontane.der „Dichter der Mark“ genannt wird, so verdient Walter Leistikow mit vollem Recht den Namen der „Maler der Mark“. Er lehrte uns den Zauber der schweigenden dunkeln Wald-Seen, der roten Kiefernstämme auf die sich die Abendschatten herabseuken, erst recht kennen und verstehen, er war der gottbegnadete Königssohn, der dem schlichten Aschenbrödel „märkische Landschaft“, das duftige violette Festgewand mit goldenen Säumen angetan und den purpurroteu Krönungsmantel um die Schultern geschlagen hat: jene wundersamen Farbentönungen, die seine Künstleraugen zuerst erschaut und die er uns in seinen herrlichen Bildern zugänglich gemacht hat. Wie viele wollten damals, als seine Bilder zum erstenmal auf den Ausstellungen erschienen, an ihrer Naturwahrheit zweifeln! „Solch violette Schatten über den Seen, solch goldener Streifen am Himmel, solch purpurrot leuchtende Kiefern gibt es nicht! Das sind Fantasien des Malers hieß es damals von allen Seiten“.
„Aber wenn man dann hinauswanderte zum Kiefernwald und im Glanz der Abendsonne seine purpurroten hohen Stämme zum Himmel aufragen sah, zu jenem tiefblauen Himmel, dessen goldgesäumte Wolken zarte violette Schatten in allen Nüancen wie Schleiergewänder über die dunkeln Seen warfen, dann mußte man bekennen: Leistikow hat recht, so wunderbar schön ist unsere märkische Heide, so zauberhaft sind ^unsere märkischen Wälder, so duftum woben sind unsere märkischen Seen — und nicht nur das Auge des Künstlers, nieht nur das Auge des Sonntagskindes darf diese Wunder schauen, nein, wir alle dürfen uns in Wahrheit an so viel Schönheit erquicken* wenn wir uns nur die Mühe geben, hinauszugehen vor die Tore der Großstadt und die Natur zu verstehen suchen in ihrer wunderbaren Größe und Erhabenheit!“