Heft 
(1908) 17
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10. (3. ordentliche) Versammlung des XVII, Vereinsjahres.

und einem Menschen. Ganz genau in dassalbe Niveau wie die Pithec- anthropus-Reste scheinen allerdings diese zwei Zähne nicht zu gehören, dagegen sind Weichtierreste von noch lebenden Arten in der Pitliec- anthropus - Schicht gefunden worden, welche nebst anderen strati­graphischen Gründen beweisen daß der sogen. Affenmensch diluvial ist. Weitere Überreste des Pitli. erectus sind leider niülit entdeckt worden. Da man nun die Spuren des Menschen aus viel älteren sicher tertiären, wahrscheinlich sogar aus oligozänen Lagerstätten kennt, so hat der Pithecanthropus erectus als vermeintlicher Vorgänger und Stammvater des Menschen selbstredend keinen Wert mehr. Pitli. erectus und Mensch mögen aus gemeinschaftlicher, geologisch unendlich weit zurückliegender Wurzel stammen; aber das ist etwas gsnz anderes, als eine unmittelbare Deszendenzabstammung. Der Pitli. erectus scheint phylogenetisch viel­mehr auf den toten Strang gelaufen und mit seiner Sippe ausgestorben zu sein. Beiläufig sind die heutigen Menschenaffen, Orang - Utan, llylobates, Gorilla, Schiinpan.se ebenfalls in die Sackgasse geraten, zum Aussterben aber nicht zur Fortentwicklung bestimmt und ebensowenig Voreltern des Menschen wie der Pitli. erectus. Nach dem Geschilderten hätte Dubois sein Geschöpf besser den aufrechten Menschenaffen, Antliropopitliecns erectus benamsen können. Mittelbar ist die chrono­logische Deklassierung dieses Voraffen auch für Europa und das Alter des Menschengeschlechts von Interesse. (Vgl. auch Naturwiss. Wochen­schrift vom 6. Sept. 1908, S. 573.)

XXL Wandmalereien aus der jüngsten Diluvialzeit. Ich habe auf die merkwürdigen Höhlenmalereien des Urmenschen namentlich im südlichen Frankreich zum Öfteren aufmerksam gemacht. Im Sommer dieses Jahres sind neue dergl. Entdeckungen gemacht, in der Nähe von Niaux in Südfrankreich wurden in derGrotte des Forges Wand­malereien aufgefunden, die eine wertwolle Bereicherung der sehr spär­lichen Überbleibsel von Kunstbetätigung aus vorgeschichtlicher Zeit bilden. Die Grotte ist ein System von engen Galerien, die sich in einer Länge von etwa 1400 m hinziehen. Etwa 600 m vom Eingänge entfernt zweigt ein breiter Quergang ab, der nach etwa 150 m in einen rotnnden- artigen Höhlenraum ausmündet, dessen Wände mit allerlei bildlichen Darstellungen geschmückt sind. Professor Cartailhac und H. Breuil haben in der ZeitschriftLAnthropologie eine genaue Beschreibung der interessanten Kunstprodukte gegeben. Die Wände der Rotunde tragen Bilder von Bison, Pferd wilder Ziege und Hirsch neben eigentümlichen unverständlichen schriftartigen Zeichen. Letztere können aber auch Geräte darstellen. Die Zeichnungen zeigen den charakteristischen Stil der Epoche in größter Reinheit und stimmen auch in der Wahl'der Gegenstände die Bisons herrschen stark vor mit den Dokumenten der altsteinzeitlichen Künstler der Pyrenäen überein. Die Umrisse sind