10. (3. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
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in sicherer Linienführung mit einem Pinsel in schwarzer Farbe~aus- gefiihrt und geben charakteristische Profilansichten der dargestellten Tiere. Die Farbe besteht aus einem mit Fett angerührten Gemisch von Kohle und Braunstein. Auch der Fußboden der Rotunde, die den Namen „Salon noir“ bekommen hat, ist mit eingeritzten Bildwerken bedeckt,- die in der Zeichnung denen der Wände genau entsprechen. Außerdem linden sich noch Darstellungen verschiedener Fische, deren einer — etwa 80 cm lang — deutlich als Forelle zu erkennen ist. Auch Abdrücke des nackten Fußes der Künstler sind sichtbar.- Geräte, aus denen sich weitere Aufschlüsse ergeben könnten, wurden nur in geringer Zahl gefunden. Es sind im wesentlichen die für die paläolithische Zeit charakteristischen bearbeiteten Feuersteine und Knochen. Jedenfalls konnten die Malereien nur bei künstlicher Beleuchtung hergestellt worden sein.
XXIT. Neuer Mammutfund in Nordsibirien: Hälfte des Gerippes, Schädel mit Unterkiefer (leider ohne Stoßzähne)* Hautstücke mit Behaarung, Weichteile verschiedener Art und, was bislang immer fehlte, der Rüssel. Der Berl. Lokalanzeiger läßt sich unterm 7. d. M. aus Petersburg folgendes berichten. Die jetzige Expedition unternahm der Konservator Pfitzenmayer vom Petersburger zoologischen Institut, der erst vorgestern zuriickgekehrt ist, ein junger, deutscher Gelehrter, zusammen mit dem Geologen Wollosowitsch im Aufträge der russischen Akademie der Wissenschaften. Er hatte auch die letzte bemerkenswerte Mammutexpedition unter dem verstorbenen Zoologen Herz, die vor sieben Jahren stattfand, mitgemacht. Die Teilnehmer an dieser Expedition wurden von den Behörden auf das bereitwilligste unterstützt. Am 7. Februar stieß in Jakutsk eine Anzahl Jakuten und Kosaken zu ihnen, die sie bis zum Fundort begleiteten. 200 Kilometer von den Ufern des Eismeeres fanden sie das Riesentier im ausgetrockneten Bette des Sanga Jurach, eines Baches, der in den Omlachbusen fließt. Dreieinhalb Meter tief lag das Mammut im Sande vergraben, das allerdings nicht ganz so gut erhalten war wie dasjenige der JTerzschen Expedition. Ein äußerst wertvolles Stück, wie es bisher noch nicht gefunden wurde, stellt der wohlerhaltene Rüssel dar, der ein Meter lang ist und sofort in Spiritus gesetzt wurde. Die übrigen Weichteile wurden getrocknet und so nach Petersburg transportiert. Der Schädel ist gut konserviert, nur die Stoß- Zähne fehlen. Bei den Yorderfüßen ist bis zum Knie sogar noch die Behaarung zu erkennen. Man hat es wahrscheinlich mit einem kleinen, aber ausgewachsenen weiblichen Exemplar zu tun. Das Becken ist nicht vorhanden. Die Expedition lebte am Fundorte sechs Tage bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius unter Null in Zelten. Die Rückbeförderung dauerte zwei Wochen. In neun kleinen Kisten wurde das ganze Tier verpackt, das ein Gewicht von 1600 Kilo repräsentierte.