Heft 
(1908) 17
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10. (3. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres, 471

werdenden Mücken ausnahmslos ersticken. Man kann dieses Mittel an­wenden bei Pfützen, bei vielen Sümpfen, bei Regentonnen, selbst bei solchen, deren Wasser zu Trinkzwecken dienen soll, denn da die Pe- troleumschicht sich eben nur auf der äußersten Oberfläche verbreitet, kann man darunter ohne Mühe völlig klares und sauberes Wasser ab­zapfen. Einige Ostseebäder haben sich dieses Mittels zeitweilig mit gutem Erfolge bedient, indem sie mit Hilfe feineE Spritzen den in der Nähe gelegenen Sümpfen, aus denen die Mücken herstammen, Petroleum zuführten. Leider hat man daselbst neuerdings nicht die nötige Kon- secpienz in der Anwendung des Mittels entfaltet, und die Mückenplage war daher in den letzten Jahren wieder im Zunehmen begriffen.

Selbstverständlich kann man sich der durchgreifenden Hilfe des Petroleums nur dort bedienen, wo die unangenehme Begleiterscheinung des penetranten Geruchs keine nennenswerte Belästigung bedeutet, und wo vor allem auch keine sonstigen Lebewesen vorhanden sind, die des reinen Wassers bedürfen, z. B. Fische, Enten, Schwäne usw., da diese sonst durch das Petroleum geschädigt werden könnten und unter Um­ständen, so weit sie im Wasser leben, ebenso wie die Mückenlarven selbst, ersticken müßten. Wo man es daher mit Wasserbecken zu tun hat, die dem Menschen nützliche Lebewesen bevölkern, muß man auf das Radikalmittel des Petroleums verzichten und sich in anderer Weise behelfen. Vielfach genügt es, gewisse Fischarten in die Wasserbecken einzusetzen, die die Mückenbrut zu vertilgen pflegen, z. B. Karpfen oder Stichlinge. Auch Frösche sind gute Massenvertilger der Mücken, indem sie die über der Wasserfläche einherfliegenden lebenden Insekten weg- faugen. So hat man im Frühjahr 1908 in dem schon genannten, durch Mücken besonders heimgesuchten Brieselang bei Berlin nicht weniger als 7000 Frösche in den sumpfigen Waldungen ausgesetzt. Es bleibt abzu­warten, wie diese eigenartige Maßregel sich bewähren wird.

Im Anschuss an diese Ausführung sei noch einer neuen wichtigen Wahrnehmung gedacht: Kürzlich brachten die LondonerTimes einen ebenso interessanten wie beachtenswerten Artikel, eine Zuschrift von einem englischen Lehrer in Barbados, die in weiten Kreisen bekannt zu werden verdient. Barbados ist unter den westindischen Inseln die einzige die malariafrei ist. Jener in den Times publizierte Brief be­schäftigt sich nun mit den Ursachen dieser auffallenden Erscheinung und kommt zu dem Resultat, daß ein in Barbados vorkommender winziger Fisch, der auf der Insel wegen seines massenhaften AuftretensMillion genannt wird, das Verdienst daran besitze, indem er die malariaüber­tragende Anopheles-Art in ganz Barbados radikal ausgerottet habe. Anopheles legt nämlich ihre Eier ausschließlich in Gewässer ab, die sich unmittelbar am Erdboden befinden; hier fallen die Eier jedoch jenem überall vorkommenden Fisch zum Opfer, während von den Nachkommen