Heft 
(1908) 17
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10. (3. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

der unschädlicheren Culex-Miicke, die ihre Eier auch in höher gelegene, dein Fisch unzugängliche Gewässer ablegt, auch in Barbados ein immerhin erheblicher Bruchteil der Vernichtung entgeht. Der englischen Regieruug ist diese bedeutsame Tatsache schon seit längerer Zeit bekannt, und sie hat daher Fürsorge getroffen, den segenspendenen Fisch, der nach der Bestimmung des Mr. Boulenger vom British Museum übrigens identisch mit Girardinus poccitoides ist, auch in andre britische Kolonien einzu­führen, die unter der Malaria zu leiden haben. So hat neuerdings der Million-Fisch auf Veranlassung der Regierung in Jamaika, Ceylon und Britisch-Neuguinea Eingang gefunden. So weit man bei der Kürze der Zeit schon ein Urteil abgeben kann, scheint es, als wolle der Fisch die in ihn gesetzten Hoffnungen vollauf erfüllen.

Anhaltend feuchte Sommerwitterung begünstigt die Enwickelung der Mückenschwärme daher wurde z. B. der vorjährige, so ungemeiu regenreiche Hochsommer 1907 gleichzeitig zu einem ganz ungemein lästigenMückenjahr. Auch der Verlauf der Frühjahrswitterung ist für die Intensität der Mückenplage von Bedeutung: folgt etwa auf ein paar schöne, sommerlich warme oder gar heiße Tage, die die Mücken aus ihren Verstecken hervorlocken, unvermittelt nochmals kaltes und rauhes Wetter, vielleicht gar Schnee und Eis, so gehen die Mücken massenweise zu Grunde, und das betreffende Jahr wird keine allzu fühlbare Mücken­plage aufweisen. Im übrigen haben viele Orte noch ihre speziellen Wetter­eigentümlichkeiten, die ein Aufkommen der Mückennot begünstigen oder vereiteln. Einige unserer beliebtesten Badeorte an der Ostsee sind z. B. wegen ihrer häufigen Stechmückenplage weit bekannt. Bei ihnen zeigt sich nun der von Ort zu Ort wechselnde Einfluss der Witterung in überaus charakteristischer Weise. In Misdroy, wo der Ostwind Landwind ist, kann die Mückennot in heißen Sommermonaten mit vorherrschendem Ostwind fast zur Unerträglichkeit werden, während gleichzeitig das nahe Ileringsdorf, wo der Ostwind von der See herweht, nahezu miickenrein ist. Umgekehrt war in dem großen Mückenjahr 1907 mit seinen un­ausgesetzt wehenden Westwinden die Mückennot in Ileringsdorf und Swinemünde eine sehr fühlbare, während das sonst so stark heimgesuchte Misdroy nur sehr wenig davon verspürte, so dass die Mücken aus den hinter Misdroy liegenden Sümpfen landeinwärts getrieben wurden und den Ort selbst verschonten.

Diesen Mitteilungen Mennigs füge ich hinzu, dass meine Voraussage, das Winterausschwärmen der Stechmücken werde einen grossen Teil dieser Unholde vernichten und 1908 kein besonders schlimmes Mücken­jahr werden, sich bewahrheitet hat. Auch im Brieselang war es bei der Brandenburgia-Wanderfahrt am 17. Mai d. J. nicht gar so arg wie sonst. Von den ausgesetzten Tausenden von Thüringischen Fröschen haben wir daselbst allerdings meines Wissens nichts beobachten können.