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10. (3. ordentliche) Ventammluug des XVII. Vereinsjabres.
XXVIII. „DieElektrische Untergrundbahn der StadtSchöne- berg.“ Diese Orientierungsschrift, die vor wenigen Tagen erschien, unterrichtet Sie über die neue Trace vom Nollendorf-Platz bis zur Hauptstraße. Die interessante neue Schöueberger elektrische Untergrund- Schnellbahn wird von der Siemens & Halske A. G. gebaut werden.
D. Kulturgeschichtliches.
XXIX. Die vorgeschichtliche Siedelung auf der Römerschanze. Die unter der Leitung des Prof. Dr. Schuchhardt und des Direktors Agahd (Frankfurt a. O.) vorgenommenen Ausgrabungen auf der Römerschanze bei Potsdam, über die wir schon berichtet haben, werden immer interessanter. Auf dem Ringwall wurden bisher fünf verschiedene Erdschnitte gemacht und dabei für die Forschung wertvolle archäologische Feststellungen gewonnen. Zuerst stieß man auf die Reste eines slawischen Hauses. Scherben, Knochen von eßbaren Tieren an den Kochstellen deuten darauf hin. Der Grundriß mißt 4.50:3.50 m. Die Scherben stammen aus einer frühen, nachchristlichen Zeitperiode. Bemerkenswert war die Auffindung von germanischen Scherbenstücken, so daß die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß die Siedelung zuerst von Germanen und dann von Slawen bewohnt wurde. Bisher wurde eine Wohngrube und ein Walltor bloßgelegt. Es handelt sich also wohl um eine Burg oder ein befestigtes Kulturzentrum, um das herum sich ein Dorf lagerte. Die Nachgrabungen werden, soweit die Mittel reichen, fortgetzt werden. Auch schöne Urneustücke wurden zutage gefördert.
Herr C. Schuchhardt, Direktor des K. Museums für Vorgeschichte hat die große Güte gehabt, mich und andere Brandenburgia-Mitglieder durch die gewaltigen von ihm geleiteten Aufgrabungen und Durchstiche zu führen und dabei die nötigen Erläuterungen zu geben; um Herrn Schuchhardt nicht vorzugreifen, muß ich mich vorerst auf diese kurze Mitteilung beschränken und erinnere nur daran, daß ich im Jahre 1880 gelegentlich der Zusammenkunft der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte an Ausgrabungen ebendaselbst beteiligt war, welche in Gegenwart des Deutschen Kronprinzen und seiner Gemahlin vorgenommen wurden. Auch damals konstatierten wir unter den slawischen Schichten germanische, etwa bis an die llall- statt-Zeit zurückreichende Wirtschaftsabfälle, insbesondere schwarze Gefäßreste.
Ich behalte mir für das Jahr 1909 weitere Mitteilungen vor. Hoffentlich besichtigt alsdann die Brandenburgs diesen riesengroßen Burgwall selbst. (Nachträglich zur Kenntnis, daß Herr Schuchhardt in der neugebildeten Prähistorischen Abteilung der Berliner Ges. für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und zwar in der Fachsitzung