Heft 
(1908) 17
Seite
492
Einzelbild herunterladen

492

11. (8. außerordentliche) Veraaminluug des XVII. Vereinsjahres.

bauten, verkauft wurde. In ihrem Besitz blieb Alt-Landsberg bis zum Jahre 1654, wie wir schon hervorgehoben haben.

Nach dem Kaffee dankte der I. Vorsitzende, Herr Geheimrat Friedei, für den freundlichen Empfang und die sorgfältige Füh­rung allen beteiligten Herren, insbesondere Herrn Beigeordneten Zahl. Auch die Schriftleitung ist Herrn Zahl dankbar für die Überlassung der Photographien zu den beiden Bildern: das Strausberger Tor (Abb. 1) und die Alt-Landsberger Eiche (Abb. 2); über letztere berichtet u. M. Herr Rektor Otto Monke folgendes:

Die Eiche am Wege von Alt-Landsberg nach Strausberg steht an der Nordseite desselben zwischen den Kilometersteinen 27,5 und 27,6. Sie hat einen Umfang von 8,65 m und trägt eine Tafel mit folgender Inschrift:

Senke freundlich, o Baum,

Die schattenden Zweige zur Erde,

Jedem, der sich dir naht,

Säusele Kühlung herab.

Gieb den Zweifelnden Hoffnung,

Dem Müden stärkende Ruh,

Und dem Lieben gieb,

Daß ihm begegne sein Glück!

Nach einer 1907 durch mich ermittelten Volkssage erwuchs diese Eiche als Zeichen der Unschuld aus einem Eichenpfahl, an welchem eine zum Tode verurteilte Jungfrau aus Alt-Landsberg verbrannt wurde, die man irrtümlicherweise des Kindesmordes bezichtigt hatte. Nach einer andern Form der Sage pflanzte das Mädchen, um die Unschuld durch ein Gottesurteil an den Tag zu bringen, kurz vor seinem Tode einen Eichenzweig umgekehrt in den Boden und bemerkte dabei, der Zweig werde zum Baume erwachsen und damit ihre Schuldlosigkeit erweisen. Nach einer dritten Sage, welche ein Bürger aus Alt-Landsberg den Mitgliedern der Brandenburgia gelegentlich der Wanderfahrt nach Alt-Landsberg mitteilte, feuerte hier ein Bürger der Stadt im Jahre 1806 oder 07 einen Schuß auf einen Trupp Franzosen ab, als dieser an der Eiche vorüber­zog, und erschoß einen Soldaten. Deshalb erhielt der Baum den Namen der Bluteiche. Die Franzosen rächten aber den Tod ihres Ka­meraden, indem sie den Mörder ergriffen und an einem Ast der bliche aufknüpften.

Mit dem Zuge 4.41 wurde die Rückfahrt angetreten.