Heft 
(1908) 17
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Sonntag, den 25. Oktober 1908.

Wanderfahrt nach Chorln und Chorinchen.

Etwa sechzig Mitglieder der Brandenburgs mit ihren Gästen fuhren 8.52 vom Stettiner Bahnhof ab. Pünktlich trafen sie um 10.09 auf dem Bahnhof Chorinchen ein. Sie wurden hier von einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern des Eberswalder Vereins für Heimatkunde in Empfang genommen, darunter dem 1. Vorsitzenden Hemm Professor Dr. Eckstein, dem 2. Vorsitzenden Herrn Amtsgerichtsrat Hirschberg und dem 1. Schrift wart Herrn Redakteur Schmidt.

Nach der Begrüßung wanderten wir durch das Dorf nach Süden und erstiegen kurz hinter dem Ausgang einen schroffen Bergkegel, wo Herr.Professor Eckstein einen Vortrag hielt über die Entstehung der heimischen Landschaft. Er setzte darin zunächst in großen Zügen die Theorie von der Vergletscherung der Norddeutschen Tiefebene ausein- der und besprach dabei die Entstehung der Endmoränen als Belege für die Stillstandsbewegung des Inlandeises. Der Flachsberg, auf dem wir standen, gehört zu einer solchen Endmoräne, die sich nach beiden Rich­tungen erkennen lässt. Sie bildet einen halbkreisförmigen Bogen, der an der Stelle, wo die Eisenbahn EberswaldeAngermünde ihn passiert, einen natürlichen Einschnitt besitzt. In dem Mittelpunkt des Halbkreises liegt ein kleiner See, der fast völlig mit Rohr zugewachseu ist. Verfolgt man mit den Augen die Linie See-Einschnitt nach S weiter, so sieht man eine lange Reihe von Seen, nämlich den großen Hopfengarten See, die kalten Wasser und den Großen und Kleinen Stadt-See. Die Geologen erblicken in dem verwachsenen See im Mittelpunkt des Bogens einen Stausee und in der Seenkette vor dem Endmoränenbogen eine Abfluß­rinne der Schmelzwässer. Ein ähnliches Beispiel, das diese Formen noch großartiger zeigt, sind der Grimnitz-See und der Werbellin-See. Diese Schmelz wasserrisse mündeten in das große Thorn-Eberswalder-Haupttal,

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