Heft 
(1917) 25
Seite
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Aus der Mundart.

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zu einer Lautform Erteffel (Netzen), qrtofln (Treuenbrietzen, Fräß- dorf, Stücken). Die Frage ist, ob diese Verbindung eine wirkliche Zusammensetzung ist oder ob nicht vielmehr das italienische tartufolo vorliegt, das das Volk zur Erdtoflel umgedeutet hat. Es scheint, als ob die örtlich noch nicht genauer bestimmbare, aber bezeugte Nebenform Artofjel (mit langem a) für die letzte Annahme spräche.

Ob wir wohl berechtigt sind, den Gedanken weiterzuspinnen und die Benennung nach der Erde in Beziehung zu einem westlichen Kultureinfluß zu setzen? Natürlich wäre für den Kreis Zauch-Belzig der Blick auf die fernen Niederlande nicht angebracht; aber es genügt auf die Tatsache hinzuweisen, daß bereits der Kreis Wittenberg in Melzwig eine Wortform Erdbarne und in Apollensdorf die Benennung Erdäpfel besitzt.

Daß örtlich benachbarte Beeinflussung wahrscheinlich ist, ergibt sich schließlich aus dem Umstande, daß für einen nicht näher bezeichneten Ort des Havellandes die Form ertüfl mit dem Ton auf der zweiten Silbe sicher bezeugt ist. Diese Betonung ist am ehesten erklärbar, wenn wir Herleitung aus dem italienischen \ tartufolo an­nehmen und dieser erst die Anlehnung an Erde -{- Tüfjel folgen lassen.

Die örtlich weit abgelegene nördliche Hälfte der Neumark hat die interessante Form Tüffken geschaffen (täfkm Gerzlow, Kr. Soldin, tifko Zanztal, Kr. Landsberg, töfkan Gralow, Kr. Landsberg, ferner tüfkan um Königsberg). Das niederdeutsche Sprachgefühl dieser Landschaft argwöhnte in der Form Tüffel ein hochdeutsches Gebilde, indem es in der Endung -el die hochdeutsche Verkleinerungs­form, wie wir sie in Mädel kennen, zu sehen meinte. Daß gerade dieses dem mitteldeutschen Einfluß der südlichen Neumark, des Oder­bruches und der Gegend östlich Küstrin ausgesetzte Gebiet die Kraft besaß, dem Worte Tüjfel ein echt niederdeutsches Gepräge zu ver­leihen, ist einigermaßen auffallend, erklärt sich aber möglicherweise gerade aus dem Gefühl der Bedrohung durch das Mitteldeutsche Denn durch dieses Gebiet zieht die Grenze, welche die Formen Ferken / Ferkel und Kühen / Kükel scheidet, und diese letzten wurden deutlich als hochdeutsch empfunden.

Doch diese reizvolle Frage kann erst entschieden werden, wenn die Verbreitung der Wortgestalt Tüffken genauer bekannt ist. Vor­gefunden hab ich sie noch in den hinterpommerschen Kreisen Naugard und Dramburg, ohne daß ein unmittelbarer Zusammenhang sich von der Karte ablesen ließe. Aber hier sollten sprachgeschichtliche Unter­suchungen einsetzen. Die Wörterbücher der ostelbischen nieder­deutschen Mundarten würden vorteilhaft die auf diesem Wege ge­fundenen Lösungen aufnehmen.