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Dr. H. Teuchert. Aus der Mundart.
In Rathenow sagt man Tüfften. Die weitere Verbreitung dieser Form ist noch nicht bekannt, ihre Beziehung zu Tüffken nicht geklärt. Beziehung durch den Verkehr scheint ausgeschlossen. Und doch möchte ich eine Form Tüffken auch hier zu Grunde legen, indem ich an Lautwandlungen wie mecklenburgisch on bitten ,ein bißchen 1 aus en betken denke und einen ähnlichen Lautvorgang hier ansetze. Auch in Anklam heißt die Kartoffel Tüfften.
Der Umstand bliebe aber bemerkenswert, daß eine und dieselbe Form nach dem bisherigen Stande der Forschungen in zwei getrennten Bezirken entstanden ist.
Fast die ganze Südhälfte der Mark ist das Gebiet des Ausdrucks Knülle , Knolle. Dieses Wort ist belegt aus dem westlichen und südlichen Teile der Neumark (Vietz ’), Sandow [West-Sternberg]), aus der Niederlausitz (Krossen, Forst, Markersdorf [Guben] u. a.), dem Kreise Lebus, aus Luckenwalde, Kloster Zinna, Treuenbrietzen, dem ganzen Fläming. Knolle gilt in Bergholz, Buchholz (Zauch - Belzig) und in Wietstock. Es kommt auch noch in Neuruppin, um Eberswalde und Bernau vor.
Der Name Nudel beherrscht die Uckermark; er findet sich auch noch um Königsberg, Bärwalde und Schönfließ in der Neumark, ferner um Eberswalde und Schwedt a. 0. Das Nudel- Gebiet stellt sich als ein geschlossener Bezirk dar. Im Kreise West-Sternberg hat Sandow neben Knülle auch Nudel.
Im Kreise Kalau stößt man auf die Benennung Knödel. Belegt ist Kneddl aus Altdöbern, Klettwitz, Krebkau. Nach W. v. Schulenburg sagen auch die Nuthedörfer bis nach Zossen zu knoddln.
Schließlich bleibt noch Brdschocke (neben Knödel) in Klettwitz (Kalau) zu erwähnen. Eigenartig wirkt die Angabe, daß in Nowawes Erdäppel unter den älteren Leuten üblich sei.
Verschiedentlich berühren sich die Kreise; in einzelnen Orten sind zwei Wörter gebräuchlich. Ich führe nach den vorhin gegebenen Beispielen noch u. a. an: Sandow Nudel und Knülle, Eberswalde Nudel und Knolle, Bergholz (Zauch - Belzig) Knolle und Toffel , Treuenbrietzen Knolle und Ertoflel, Neuruppin Knolle und Tüffel.
Aus diesem Nebeneinander darf geschlossen werden, daß der Prozeß der Bildung einzelner Wortgebiete noch im Flusse ist.
Diese Beobachtung lenkt den Blick auf den Beginn dieser Entwicklung hin. Soweit sich jetzt mangels sprachgeschichtlicher Unterlagen den Dingen nahe kommen läßt, können einheimische Benennungen festgestellt werden, die ihren Ursprung in der lokalen
*) Die kursiv gedruckten Orte weisen die Form mit o auf, die andern haben u.