Heft 
(1917) 25
Seite
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Otto Pniower. Kohlhaasenbriick und Heinrich v. Kleist.

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Mundart haben. Den merklichsten Eindruck mundartlicher Eigenart vermittelt der Name Nudel für die Kartoffel. In den andern Ge­bieten der Mark gänzlich unbekannt, ohne Bedeutungsauhalt in der Schriftsprache, gewinnt in der Uckermark das Wort Nudel für die Kartoffel die Herrschaft. Wir dürfen uns vorstellen, daß in einem engen Kreise diese eigenwillige Bezeichnung zuerst aufgebracht worden ist, und sehen, wie sie allmählich mehr und mehr Boden gewinnt, bis sie die ganze Landschaft beherrscht, ja noch darüber hinausgreift.

Das Wort Nudel ist etymologisch nicht gedeutet. Die Bedeutung, die es hier in der Uckermark annimmt, und die im Gegensatz zu der in der Schriftsprache gebräuchlichen, wo eine längliche Form be­zeichnet wird, die kuglige Gestalt des Gegenstandes betont, legt in­dessen die Vermutung von Jellinghaus nahe, der Nudel von Knudel ,Knödel* ableiten möchte.

Wenn diese Annahme zuträfe, wäre eine sprachliche Brücke zwischen Nudel und Knödel geschlagen. Auch die dritte einheimische Neubenennung Knolle schlösse sich der zugrunde liegenden An­schauung an.

Ein brandenburgisclies Wörterbuch hätte neben der Benennung der Kartoffel auch deren Verwendung darzustellen. Auch hier müßte sich noch reiches sprachliches Material bieten. Ich erwähne z. B., daß das Ernten der Kartoffel in der Lenzer Wische tüfl bufln, in der Prignitz tüfl rab], in der Uckermark, wenn ich nicht irre, nadln hudln heißt; in der Neumark um Landsberg sagt man kartofln haky. Dann wären die Gerichte, zu denen man die Kartoffel gebraucht, zu nennen und manches andere, alles Aufgaben, die noch der Erledigung harren.

Kohlhaasenbriick und Heinrich v. Kleist.

Von Otto Pniower.

Seine ErzählungMichael Kohlhaas beginnt Heinrich v. Kleist mit den Worten:An den Ufern der Havel lebte um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts ein Roßhändler, namens Michael Kolil- haas .... Er fährt dann fort:Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte.

Hier wird also gesagt, daß der Ort nach dem Mordbrenner benannt sei. Noch einmal kommt der Dichter auf das Verhältnis von Kohlhaasens Namen zu demjenigen der Ortschaft zu sprechen. Allein an dieser Stelle erfahren wir, nicht daß der Ort von dem Roßhändler,