Heft 
(1917) 25
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Koklhaasenbrilck und Heinrich v. Kleist.

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damals unbenannt war und den Namen erst von diesem Umstand empfing. Es könnte so sein, und dann bestände die Angabe des Dichters, daß das Dorf noch von ihm den Namen führe, immerhin zu recht, wenn auch die Ansiedlung erst etwa 150 Jahre nach dem Tode des Em­pörers entstanden ist. Allein ebensogut könnte die Brücke schon so ge­heißen und Veranlassung gegeben haben, daß man, verführt durch den schon vorhandenen Namen Kohlhase ist ein verbreiteter märkischer Familienname den Vorgang dort lokalisiert habe. Eine sichere Ent­scheidung darüber, welche von beiden Annahmen zutrifft, kann bis jetzt nicht gefällt werden. Nur wenn noch eine bestimmte urkund­liche Nachricht über den Ort, an dem Kohlhase den geraubten Schatz verschwinden ließ, auftauchen sollte, wäre darüber Gewißheit zu erlangen. Eine Hoffnung dazu leuchtete auf, als ich von neuem auf Friedrich Holtzes Angabe im 31. Heft der Schriften des Berliner Geschichtsvereins (1894) S. 41 stieß, wo es heißt:Über die Beraubung des Drahtzieher bei Stolpe, welche dem sonst so vorsichtigen Kohlhase den Hals brach, finden sich noch einige bis jetzt unbenutzte Notizen in den Akten des Geheimen Staatsarchivs R. 97 I, 1. Wie, wenn hier die Stelle, an der der Überfall geschah, näher bezeichnet wäre? Ich nahm Einsicht und fand, daß mit diesen Notizen ein Protokoll aus dem Sentenzenbuch des Kammergerichts in Berlin vom 10. No­vember 1540 über einen Injurienprozeß gemeint ist, in den Konrad Tratzieher verwickelt war. Es ist dabei von einem Betrag von 232 Gulden die Rede, den ein Münzmeister von Magdeburg nach Berlin zu bringen sich verpflichtet hatte, der ihm aber,uff dem wege durch Kollasen sambt seinen helffern genommen und abhendig gebracht worden. Jede nähere Ortsbezeichnung fehlt, und es ist, obgleich Konrad Tratzieher als Zeuge erscheint, sogar nicht völlig sicher, wenn auch im höchsten Grade wahrscheinlich, daß es sich bei dieser Gelegenheit ebenfalls um den angeblich bei der Bäkebrücke ausge­führten Raub handelt.

Also war die Hoffnung trügerisch. Muß es somit hier bei einem non liquet bleiben, so erweist sich die zweite für unsere Frage in Betracht kommende oben erwähnte Äußerung Kleists, wonach der Roßhändler nach dem Ort geheißen habe, jedenfalls ohne weiteres als falsch und geschichtlich unmöglich. Denn im Jahre 1532 gab es am Griebnitzsee das sahen wir keine Ortschaft Kohl- haasenbriick.