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Dr. Albert Kiekebusch.
Die Berliner Hufen.
Zugleich ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Kolonisationszeitalters.
Von Dr. Albert Kiekebusch.
Die Geschichte der Berliner Hufen und die Bedeutung des Hufenlandes für die Geschichte unserer Großstadt ist bisher nicht hinreichend gewürdigt worden; ja die meisten Bearbeiter der Geschichte Berlins haben dieses Gebiet ganz aus dem Auge gelassen. Eine Reihe sonst bedeutender Darstellungen berücksichtigt selbst den Vorgang der Zerschlagung des alten Hufenlandes, die „Separation“, überhaupt nicht. Und doch ist gerade die Geschichte der Berliner Hufen für die Fragen der Gründung und Stadtwerdung Berlins sowie für die städtische Entwicklung, ihre Grundlagen, ihre Hemmungen und ihren Höhepunkt von entscheidender Bedeutung geworden. Es ist sehr merkwürdig, daß z. B. die beiden Altmeister Berliner Geschichtsforschung, Klöden und Fidicin, den Vorgang der „Separation“ so gut wie gar nicht beachtet haben, trotzdem die Separation ihrem mit großer Erbitterung ausgefochtenen Streite zeitlich so nahe lag und kaum eine andere Grundlage für ihre Streitfragen von so ausschlaggebender Bedeutung gewesen wäre, wie die Geschichte des in der Separation verteilten Hufenlandes. Die Nichtbeachtung seitens jener beiden großen Forscher ist auch wohl der Hauptgrund gewesen, weshalb spätere Verfasser über diese wichtigen Dinge so oft hinweggesehen haben. So herrscht denn über das Berliner Hufenland wenig Klarheit. Dr. Albrecht [„Die geschichtl. Entwicklung Berlins“, Festschrift der Stadtgemeinde für die Teilnehmer am VII. internationalen Geographen-Kongreß 1899, S. 47] meint z. B., daß die Hufen Berlins „sich von Stralow bis zum Wedding hinzogen“. Er verwechselt augenscheinlich die Begriffe „Hufen“ und „Stadtflur“ und übersieht, daß die ersteren nur ein Teil der letzteren sind. Genau in denselben Fehler verfällt ganz neuerdings Dr. Wagner [Mitteilungen des Vereins f. d. Gesell. Berlins, 1914, S. 127] in einer sonst überaus gründlichen und inhaltreichen Abhandlung, wenn er die Berliner Hufen „auf dem Wedding, in Boxhagen und Stralau wahrscheinlich“ sucht.
Eine rühmliche Ausnahme bildet nach dieser Richtung hin Clauswitz. Sowohl in den „Plänen von Berlin“ (S. 98) als auch in seiner „Geschichtlichen Einleitung“ zu Borrmanns trefflichen „Bau- und Kunstdenkmälern von Berlin“ (S. o—7) widmet Clauswitz der Separation und den Berliner Hufen mehr Aufmerksamkeit, als irgend ein anderer es bisher getan hat. Clauswitz unterscheidet auch