114
Dr. Albert Kiekebusch.
Richtung hin, weil der Markgraf von den Berliner Hufen einen Grundzins nicht mehr bezog. An Stelle des Landbuches tritt für uns das nur zwei Jahrzehnte jüngere Stadtbuch [1391-98], Dieses Berliner Stadtbuch (Ausgabe von Clauswitz 1883 S. 24 ) gibt 120 Hufen an: „Vor den Berlin sint 20 huven und hundert. Der sint vire frie tu der provestien, unde en deil hören tu des heiligen Geistes und sunte Jurigens hove, dar di stadtvorstender und dy oversten vor syn. Alle ander huven synt der stad tu Berlin tyns plichtich und upvart und afvart. — Item Eyn islike huve geft der stat tu tynse up sunte Mertens dag 3 schill. penninge, sunder eyne huve geft 9 schill. pen., dy het men dy schalkhuve“ J ).
Im Berliner Stadtbuch werden die Hufen des Hl, Geist- und St. Georg-Hospitals als „en deil“ der 120 Hufen bezeichnet. Sie sind also mitgezählt. Nach dem Wortlaut sind aber auch die 4 Probstei- hufen in die Zahl 120 einbegriffen. Darnach hätte Berlin also 120 und nicht 124 Hufen besessen.
Nun steht uns aber für die Berechnung noch eine zweite Quelle zur Verfügung. Diese Quelle war bisher von sämtlichen Historikern übersehen worden und wurde für die brandenburgische Geschichte erst von Curschmann 3 ) erschlossen. Es handelt sich um die Hufengeldregister des Bischofs von Brandenburg. Letzterer bezog bekanntlich nach dem Vertrage 1237/38 aus den „neuen Landen“ keinen Zehnten. Den hatte er dem Markgrafen überlassen müssen. Als minderwertiger Ersatz wurde ihm aber die Erhebung eines Hufengeldes gestattet. Dieses Hufengeld mußte auch Berlin zahlen, und so finden wir denn in dem Hufengeldregister [von 1527] Berlin verzeichnet und zwar mit 120 Hufen. Waren da die 4 Probsteihufen einbegriffen oder nicht?
Man könnte schon annehmen, daß die Pfarrer mit ihren 4 freien Hufen auch von dieser Abgabe befreit waren. Volle Gewißheit erhalten wir aber durch einen Vergleich der Zahlen der im Hufengeldregister verzeichneten Nachbardörfer von Berlin, deren Hufenzahl ja auch im Landbuche Karls IV. enthalten ist. Im Landbuch ist jedesmal die Gesamtsumme der Hufen genannt und erfreulicherweise
x ) Fidicin hat in seiner Ausgabe des Stadtbuches 1837 anstatt „huven“ die Form huuen. Diese Form entspricht genau der Aussprache des Wortes im Munde der Dauern bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein. Daraus ist dann „Hohn“ (= Hohes Land, das Hohe“) geworden. So haben wir geradezu einen Uebergang von der alten, heute nicht mehr bekannten Bezeichnung „Hufe“ zu dem heute allgemein gebräuchlichen „Oberfeld“. (Diesen innerhalb zweier Generationen erfolgten Wandel kann ich in meinem Heimatsorte Wassmannsdorf auf dem Teltow nachweisen).
2 ) Curschmann: Die Diözese Brandenburg [Veröffentl. d. Ver. f. d. Gesch. d, Mark Brandenburg, 1906].