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Df. Albert Kiekebusch.
Dörfern wurde genau zwischen Allmende [den von allen besessenen und genutzten „Gemeinheiten“] und Hufenland unterschieden. Im allgemeinen läßt sich als Regel feststellen, daß die Hufen auf dem lehmigen Boden des Geschiebemergels liegen. Die Allmende dagegen findet sich zumeist in den Niederungen. Sonderbarerweise habe ich in der ganzen geschichtlichen, wirtschaftsgeschichtlichen und geologischen Literatur bisher trotz eifrigsten Suchens über diese "Verteilung von Hufen und Allmende nach der Beschaffenheit des Bodens kaum einen Hinweis gefunden. Wo überhaupt auf die Lage der Hufen oder der Allmende aufmerksam gemacht wird, 1 ) da geschieht es ohne Rücksicht auf die allgemeine Bedeutung der beobachteten Tatsache. Ich habe schon in meinen Vorträgen im Berliner Geschichtsverein und in der Berliner Anthropologischen Gesellschaft [Zeitschr. f. Ethnologie, 15. April 1916: „Die Besiedlung des Spreetales in vor- und frübgeschichtliche Zeit“] darauf hingewiesen, daß gerade die Umgebung Berlins ausgezeichnete Beispiele für die während der Kolonisation erfolgte Verteilung des Grund und Bodens auf die einzelnen Dörfer und für die Einteilung der einzelnen Dorfflur in Hufenland und Allmende bietet. Die Nordgrenze aller Feldmarken der am Südrande des Barnim liegenden Ortschaften [Berlin, Lichtenberg, Friedrichsfelde, Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Dahlwitz] verläuft beinahe genau parallel dem Südrande der Barnimhochfläche, also dem Nordrande des Spreetales und es macht in der Tat den Ein-
!) Clauswitz, Einleitung zu Borrmann, S. 5. Kehrl, Das Dorf Sclilalach, S. 5. Geradezu ein Musterbeispiel verworrener Auffassung über die Bedeutung des Diluviums und Alluviums für die menschliche Besiedlung bietet uns Dr. Bolle in seiner sonst wertvollen Bonner Dissertation über die „Besiedlung des Havelwinkels“ dar [Vgl. Brandenburgia 1916, S. 183], wenn er meint, daß das Diluvium die Siedlung trägt, das Alluvium die Siedlung“ nährt. Gewiß liefert das Alluvium mit seiner Moorerde ausgezeichneten Gemüseboden, wenn der Untergrund nicht zu naß und nicht zu kalt ist. Für einige Dorier der nächsten Umgebung Berlins z. B. ist dieser alluviale Boden bei der Nähe der Großstadt eine Quelle des Reichtums geworden. Für die Marsch und auch die durch Deiche geschützten Teile des Havelwinkels mag Bolles Ausspruch auch zutreffen. Wie man aber diesen Satz allgemein auf mittelalterliche Siedlungen anwenden kann, ist unerklärlich. Und nun gar erst für das Kolonisationsgebiet unserer Provinz. Die angesetzten Bauern hatten bekanntlich an den Obereigentümer, den Markgrafen, Ab- gabeu zu zahlen. Diese bestanden vor allem — wie wir aus dem Landbuche Karls IV. wissen, — in einer genau festgesetzten Getreideabgabe. Ganz abgesehen davon spielte der Getreidebau in einer Zeit, welche die Kartoffel nicht kannte, eine noch bei weitem wichtigere Rolle als heute. Weizen, Gerste, Hafer und Roggen gediehen aber — noch dazu bei der mangelhaften Düngung des Mittelalters — am besten auf unserem Geschiebemergel, also auf dem Diluvium. Das Diluvium trug also nicht nur die Siedlung, es nährte sie auch. Wirksam wurde es dabei durch das Alluvium in seiner Bedeutung für die Viehzucht unterstützt. Aber der Ackerbau stand doch an erster Stelle. Nach Hufen wird der Besitz gemessen.