Die Berliner Hufen.
117
druck, als hätte der Vogt als Vertreter des Obereigentümers, des Grundherrn, auf einem Plane aus freier Hand eine Linie von der Panke bis zur Stienitz [Mühlenfließ] gezogen. Alle Dorfmarken reichen als Streifen von dieser Linie über den Südrand der Barnimhochfläche hinunter ins Urstromtal, wo die heutige Spreerinne, die natürlich auch im früheren Mittelalter ungefähr in derselben Ausdehnung vorhanden war, als dritte „Parallele“ für eine Anzahl der genannten Marken die Südgrenze bildet. 1 )
Die Ost- und Westgrenzen der genannten Dörfer laufen ohne eine Ausnahme von der oben geschilderten Nordgrenze unter sich beinahe oder teilweise sogar genau parallel, sämtlich den Südrand der Barnimhochfläche fast in einem rechten Winkel schneidend — der Spree zu. Die ganze Verteilung ist von einer geradezu erstaunlichen Regelmäßigkeit und muß nach genau überlegtem Plane ausgeführt worden sein.
Jede Ortschaft erhält auf diese Weise im Norden einen Teil der Barnimhochfläche (Gescbiebemergel) als Hufenland, im Süden einen Teil des Urstromtales für Wald und Wiese als Allmende 2 ).
Ich hatte für meine Vorträge die sechs Blätter der geologischen Landesanstalt [Spandau (Cbarlottenburg), Teltow, Berlin, Tempelhof (Schöneberg), Friedrichsfelde, Cöpenick] aneinandergeheftet und die Flurgrenzen durch rote Schnüre bezeichnet. Das gab ein klares, ja ein überraschendes Bild.
Mit Ausnahme von Berlin liegen die oben genannten Ortschaften sämtlich am Rande der Hochfläche. Für die Bewirtschaftung und Nutzung der Dorfflur ist diese Lage der „Wörden“ [Hausstelle und Garten] auf der Grenze zwischen Allmende und Hufenland natürlich die denkbar günstigste. Berlin macht hier eine Ausnahme, die sowohl in der Enge des Spreetales an dieser Stelle wie unter Umständen auch im höheren Alter des
!) Wenn nicht alle oben genannten Dorffluren an die Spree heranreichen, so hat das seine besonderen Gründe. Die Flur von Friedrichsfelde z. B. stößt mit dem größten Teile ihrer Südgrenze nicht bis an die Spree selber heran, wohl aber bis an die „Bohrlake“, die heute fast ganz ausgetrocknet ist, in einer Urkunde aus dem Jahre 1288 aber noch als Wasser bezeichnet wird [Fid., Dipl. Beitr. II, 6 .... ad aquam, que Bohrlake nominatur.]. Die Bohrlake bezeichnet zugleich die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, von denen aus sich der Spreelauf weit nach Südwesten ausbuchtet. Die Bucht ist bis zum kürzlich erfolgten Ankauf der Wuhlheide durch die Stadt Berlin fiskalischer Besitz gewesen. An anderer Stelle werden die Dorfmarken durch die Cöpenicker Feldflur von der Spree getrennt.
2 , Das Hufenland führt bezeichnender Weise in zahlreichen Dörfern noch heute den Namen „Oberfeld“. Die Aecker in den Niederungen sind später angelegt worden. [„Neues Feld“, „Mittelbusch“ etc.]