Heft 
(1917) 25
Seite
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Dr. Albert Kiekebusch.

eigentlichen Ortes als Siedlungsplatz begründet sein kann. "Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich war dieser Platz schon bewohnt, als es der ungeordneten Rechtsverhältnisse wegen noch geraten war, sich auf einer von Wasser und Sumpf umgebenen Talsandinsel anzubauen 1 ).

Die Frage des wendischen oder nichtwendischen Ursprunges Berlins ist noch nicht geklärt, hat für unsere Betrachtung aber weiter keine Bedeutung. Weit wichtiger ist, daß Berlin [ n to dem Berlin] zur Zeit der Kolonisation genau so behandelt worden sein muß, wie alle Dörfer der Umgegend behandelt worden sind. Es erhielt einen Teil des Urstromtales als Allmende und einen Teil der Barnimer Geschiebemergellandschaft als Hufenland zugewiesen genau so wie Lichtenberg, Friedrichsfelde, Biesdorf usw. auch.

Sehr wichtig scheint mir die Tatsache zu sein, daß der Probst von Berlin als Pfarrer an St. Nikolai um 1400 und zur Zeit der Separation 4 Hufen besaß, die ja auch in die Separation mit einbezogen worden sind. Die Pfarrer der oben genannten Dörfer wie die Pfarrer beinahe sämtlicher Barnimdörfer besaßen auch je 4 Hufen. Dieser Besitz ist ihnen fraglos zur Zeit der Kolonisation zugeteilt worden, steht, wie wir sahen, im Landbuche Karls IV. [1375] sorgsam verzeichnet, und eine Änderung ist im Laufe von mehr als 600 Jahren nicht eingetreten. Wäre Berlin als Stadt gegründet worden, wie Clauswitz und andere es mit Sicherheit behaupten 2 ) wollen, dann hätte man vielleicht den Pfarrer der Stadtkirche in Berlin etwas anders gestellt, als den Pfarrer in Biesdorf oder Friedrichs­felde [Rosenfelde]. Wurde der Pfarrer von Berlin genau so behandelt wie alle übrigen Dorfpfarrer, dann spricht das doch ganz gewiß dafür, mindestens nicht dagegen, daß Berlin vorher ein Dorf war 3 ) und zwar seit der Kolonisation ein nach deutscher Art eingerichtetes Kolonistendorf, mag es vorher gewesen sein, was es wolle. Zur Bekräftigung dieser Vermutung dient auch vieles andere, wie die Stellung der Ackerschaft, aber vor allem der Wördenzins im Gegensatz zum Rutenzins.

Das deutsche Dorf Berlin konnte sich durch sein Hufenland als Dorf selbst ernähren, und als das Dorf zur Stadt erhoben wurde, besaß es in seinem guten ausreichenden Ackerboden, eine nie ver­sagende Quelle des Wohlstandes ganz im Gegensätze zu so künst-

r ; Vergl. Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. Berlins 1915, S. 93.

2 ) Einleitung zu Borrmann S. 5; Goldschmidt, Berlin in Geschichte u. Gegen­wart 1910, S. 5; ganz neuerdings auch Kaeber, Mitt. d. Berl. Gesch.-Ver. 1916, S. 76.

®) Vor der endgültigen Entscheidung ist nachzuprüfen, wie die Verhältnisse bei allen anderen Städten liegen. Die Erhebung der Berliner Pfarre zur Probstei spielt dabei weniger eine Bolle; sie konnte ja erst nach 1237 erfolgen.