Heft 
(1917) 25
Seite
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Die Berliner Hufen.

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liehen Gebilden wie Kölln und Cöpeniek, die, augenscheinlich aus wendischen Fischerdörfern entstanden, bei ihrer Stadtwerdung mit Hufen ausgestattet werden mußten, welche eigentlich keine Hufen waren. Das allein ist schon eine der Ursachen des Aufblühens Berlins gegenüber der Schwesterstadt Kölln. Wir wissen ja, oder wenigstens hat es Fidicin wahrscheinlich gemacht, daß Berlin außer­dem bei seiner Erhebung zur Stadt mit dem Grund und Boden eines zweiten Dorfes ausgestattet worden ist, nämlich mit der Dorfflur des Wedding. Daß Wedding in der Tat ein Dorf gewesen ist, kann ja nicht im geringsten in Zweifel gezogen werden und ist auch meines Wissens nie in Zweifel gezogen worden. Die Tatsache wird ja urkundlich bezeugt. [Riedel Cod. Dipl. Br. I. 11. 3].

Schon Fidicin hat darauf aufmerksam gemacht, daß außer jener Urkunde der beim Wedding nachgewiesene Upstall für das Vorhandensein eines Dorfes zeuge. Dafür sind aber noch andere Beweise beizu­bringen. An der Spree lagen da, wo die Weddinger Feldflur an das Wasser stoßen mußte, einBullenwinkel und eineKirchwiese, die ebenso sicher für das Dorf zeugen wie der Upstall. Die in der Gegend des Wedding vorhandeneKirchheide, die einen unserer hervorragendsten älteren Geschichtsschreiber zu geradezu phantastischen Vermutungen verleitete, erklärt sich in der einfachsten Weise dadurch, daß eine Doifkirche auch eineKirchheide gehabt haben kann. Dann wird die Kirche oder der an ihr wirkende Pfarrer wahrscheinlich auch Hufenland besessen haben und zwar vermutlich 4 Hufen wie die Pfarrer von Berlin, Lichtenberg, Friedrichsfelde u. s. w. Wo ist dieses Hufenland geblieben? Da wird uns die Geschichte des Dorfes Wedding erst ein wenig beschäftigen müssen.

Das Dorf Wedding kann sehr wohl in Zusammenhang gebracht werden mit jenem Rudolf von Wedding, der in Urkunden von 1197 und 1208 erwähnt wird. Daß dieses Dorf wie Fidicin einmal in der Voss. Zeitung auseinandergesetzt hat, von Albrecht dem Bären auf einem Zuge nach dem Barnim zerstört worden wäre, ist ganz ausgeschlossen. Es muß als deutsches Dorf bestanden haben. Nach heutiger fast allgemein verbreiteter Anschauung hat Albrecht die Gegend um Berlin überhaupt nicht erreicht. Wagner [Mitt. des Berl. Gesch.-Ver. 1914 S. 126] glaubt ohne weitere Bemerkung sagen zu dürfen, das Dorf Wedding wäre von den Wenden zerstört worden. Das kann doch nur eine Annahme sein. Irgend eine Nachricht liegt darüber nicht vor. Wir wissen nur, daß es 1251 [22. Mai] ein Dorf Wedding nicht mehr gab. [Riedel, Cod. dipl. Br. I. 11. 3: in terminis ville que Weddinge vocabatur.] Der Hof Wedding kann mi t, diesen Worten nicht gemeint sein, sonst hätte dasvocabatur keinen Sinn]. Fidicin hat die Vermutung ausgesprochen, daß die