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Dr. Albert Kiekebusch.
So ist denn am unteren Rande der Karte eine Zusammenstellung der einzelnen Grundstücke mit genauer Bezeichnung der Größe und der Hufenummer gegeben, aus der sich ersehen läßt, wievielen und welchen Hufen die einzelnen Grundstücke entsprechen. Auf diese Weise erfahren wir auch die letzten Besitzer der einzelnen Hufen. Nun war im Laufe der Zeiten selbstverständlich manche Hufe aus einer Familie an die andere gekommen. Mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit darf man aber annehmen, daß die den Kirchen oder den an ihnen wirkenden Pfarrern während der Kolonisation im 12./13. Jahrhundert zugewiesenen Hufen ihre Besitzer nicht oder nur unter merkwürdigen Umständen gewechselt haben.
Von ganz besonderem Interesse ist es für uns, daß die als „Probstei-Hufen“ verzeichneten Grundstücke des Pfarrers an Nikolai [k 86 u. 91] den Nummern 26, 54, 55 u. 116 des Hypothekenbuches entsprechen. Der Pfarrer an Nikolai besaß, wie schon oben erwähnt war, 4 Hufen, wie alle Pfarrer der Umgebung im Niederbarnimer Kreise schon im Jahre 1875. Daneben hatte die Kirche selbst noch eine Hufe [Nr. 95] im Besitz. [Wenn diese Hufe in der Unterschrift der Karte der Marienkiche zugeschrieben wird, so ist das ein Irrtum, der übrigens auf S. 131 des Nachtrages zum Rezeß (13. Juli 1847) berichtigt wurde].
Bemerkenswert ist, daß die Hospitäler St. Georg und Hl. Geist ebenfalls Hufen besessen haben. Durch Erbpacht waren sie in Wollankschen Besitz gekommen. Es ist dies das Grundstück t 32 fast an der Westgrenze des Berliner Hufeulandes, also in der Nähe vomWedding. Die beiden genannten Hospitäler sind erst gegründet worden, als Berlin Stadt wurde. Ja, die Gründung hängt sogar aufs engste mit der Stadtwerdung zusammen. Jede neue Stadt sollte ein Armen- und ein Krankenhaus unterhalten, und so können wir denn diese Hospitäler beinahe noch bei jeder märkischen, aus dem Mittelalter stammenden Stadt nachweisen. St. Georg und Hl. Geist konnten aber erst nach der Stadtwerdung in den Besitz der Hufen kommen. Wer hat die Ländereien vorher besessen? Der Menceliussche Plan gibt an, daß das in Betracht kommende Grundstück den alten Hufen 13, 59, 67 u. 98 entspricht. Liegt da nicht der Gedanke sehr nahe, daß wir es bei diesen vier Hufen mit den Hufen der Kirche des ehemaligen Dorfes Wedding zu tun haben, mit dessen zur Verfügung stehenden Kirchen- oder Pfarrhufen die beiden Hospitäler ausgestattet werden konnten?
Wieder eine Wahrscheinlichkeit mehr, daß die Hufen des Wedding in das Hufenland Berlins aufgegangen sind. Schon die hohe Zahl der Berliner Hufen, 124, läßt vermuten, daß es sich um