Die Berliner Hufen.
123
die Flur zweier Dörfer handelt. 1 ) Alle anderen Dörfer der Umgebung haben eine weit geringere Hufenzahl aufzuweisen [Lichtenberg 64, Rosenfelde 104, Biesdorf 70, Kaulsdorf 40, Mahlsdorf 50]. Wir sind seit Fidicin also wohl auf sicherem Wege, wenn wir annehmen, daß das spätere Hufenland Berlins aus den Hufenländern der beiden zurZeit der Kolonisation nach deutscher Weise mit Hufen ausgestatteten Dörfern Berlin und Wedding besteht.
Ist es vielleicht gar möglich, die Grenze zwischen beiden zu bestimmen? Man kommt wohl schwerlich in den Verdacht, übermäßig spitzfindig zu sein, wenn man annimmt, daß die Hufen des Dorfes Wedding auf dem westlichen Teile, die des Dorfes Berlin auf dem östlichen Teile des Hufenlandes gelegen haben. Jede andere Annahme würde unnatürlich sein.
Zur Auffindung der Grenzlinien kommt uns ein Vorgang zu Hilfe, der sich im Jahre 1829, also bald nach der Separation, abspielte und mit der Separation in Zusammenhang steht.
Clauswitz weist in seinen „Plänen“ [S. 98] darauf hin, daß die Regierung in Potsdam am 16. Juni 1829 eine Verfügung erlassen habe [Amtsblatt 1829, 28], durch die neben anderen Grundstücken die „Berliner Feldmark als innerhalb des Stadt-Weichbildes liegend angesehen werden soll“. Richtig erklärt Clauswitz: „Unter der
Berliner Feldmark waren die Berliner Hufen zu verstehen“. Die Regierung gebrauchte hier den Ausdruck „Feldmark“ in seiner wohl ursprünglichen und streng genommen für die ältere Zeit allein richtigen Bedeutung.
Clauswitz sagt weiter: „Durch eine besondere Erklärung vom 28. Juni 1829 wurden dann noch die Ländereien des sogenannten Vorwerks Niederschönhausen hinzugefügt, obwohl sie eigentlich in den Hufen schon enthalten waren“. Dieser letzte, von mir breit gesetzte Nebensatz enthält einen Irrtum. Zunächst dürfte es schwerlich eine preußische Behörde geben, die am 16. Juni 1829 die Einbeziehung des Ganzen und am 28. Juni desselben Jahres die Einbeziehung eines Teiles nochmals verfügt. Die Sachlage erklärt sich dadurch, daß am 16. Juni 1829 die Berliner Stadtfeldmark zum Weichbild gezogen wurde, am 28. Juni dagegen das Vorwerk Niederschönhausen, das zwar auf der Stadtfeldmark lag, ihr aber selbständig gegenüberstand. Daß letzteres wirklich der Fall war, beweist die
b Blumberg hat allerdings auch 124 Hufen, aber das hat seine besondere Bewandtnis. Vgl. Sundelin, Nachrichten über das Dorf und Gut Blumberg, S. 23 f. Vgl. auch Fidicin und Biedel. Blumberg ist zwar heute ein Dorf, urkundlich aber auch als Stadt und Flecken bezeugt.