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Dr. Albert Kiekebusch.
an die Nordgrenze des Weichbildes bebaut waren. Diese Hauptstraßenzüge sind natürlich nichts weiter, als die alten von Berlin aus durch das Hufenland nach den Nachbardörfern führenden Wege, die auf der Separationskarte ebenfalls verzeichnet sind. Teilweise wurden ältere Wege erst während der Separation verlegt.
Die den Baltenplatz kreuzende Thaerstraße bezeichnet mit der Oderbruchstraße die Ostgrenze der Berliner Hufen. Der alte „Weg nach Lichtenberg“ führt heute den Namen „Weidenweg“. Ergeht bis zum Baltenplatz. [Seine Verlängerung, die Eldenaer Straße, liegt auf damals Lichtenberger Gebiet, das erst 1878 zu Berlin geschlagen wurde [Zentralviehhof]. Die „Landsberger Allee“ ist der „Weg nach Marzahn“. Von ihm zweigte sich am Kommunikationswege [hier Elbinger Straße] der alte „Weg nach Hohenschönhausen“ ab. Durch die Separation wurde dieser „alte Weg“ eingezogen. Der neue benutzt den Weg nach Marzahn bis zur Grenze, führt genau an dieser nach Norden und mündet wieder in den alten Weg ein, wo dieser die Lichtenberger Feldmark berührt. Die Kniprodestraße ist ja bis vor kurzem noch ein „Verlorener Weg“ gewesen, da sie auf dem Weißenseer Gebiet keine Fortsetzung hatte. Sie war auf dem Hufenlande ein Feldweg, der mit einem Knick nach Südosten zum heutigen Königstore führte. Die von da durch eine tiefe, seit der Eiszeit her vorhandene Talrinne zum Barnim hinaufführende Greifswalder Straße ist nichts weiter, als der „Weg nach Weißensee“. Die Prenzlauer Allee ist der „Weg nach Heinersdorf“, die Schönhauser Allee der „nach Pankow“. 1 ) Als ein zweiter „Verlorener Weg“ verläuft die Schwedter Straße noch heute und findet ebenso wie der alte Feldweg an der Behm- und Norweger Straße weit vor der Grenze einen merkwürdigen Abschluß. Der alte „ßosentaler Weg“, etwa im Zuge der heutigen Ruppiner Straße, ist ebenfalls während der Separation eingezogen worden, während der „Weg zum Luisenbrunnen“ ja heute noch als „Brunnenstraße“ bekannt ist. Die „Grenzstraße“ trägt ihren Namen mit Recht. Sie bezeichnet die Grenze des Berliner Hufenlandes im Westen, wie die Thaerstraße im Osten. Wie sich im heutigen Berliner Straßenbilde des Nordens die Züge des alten Berliner Hufenlandes im großen erkennen lassen, so natürlich auch im kleinen, und es wird gewiß eine dankbare und für die Berliner
*) An der Stelle, wo die Marken von Heinersdorf, Pankow und Weißensee Zusammenstößen, scheint sich zwischen 1770 und 1822 eine Veränderung vollzogen zu haben. Nach der Karte von 1770 stößt die Heinersdorfer Feldmark an das Berliner Hufenland heran, trennt also die Pankower und Weißenseer Feldmarken voneinander. 1822 ist das — wie heute — nicht mehr der Fall. Oder sollte es sich um einen Fehler des Kartenzeichners handeln? Jedenfalls bedarf diese Frage der Klärung.