Heft 
(1917) 25
Seite
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Die Berliner Hufen.

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Stadtgeschichte nutzbringende Arbeit sein, all diesen Zügen nach­zuspüren und die Erinnerung an die dem Berliner Hufenlande durch die Separation gegebene Aufteilung wieder aufleben zu lassen. Auch das wird dazu beitragen, die Berliner, junge und alte, daran zu gewöhnen, selbst im Straßenbilde der Großstadt der Vergangenheit nachzugehen, allem, was geworden ist nachzufragen, warum es so und nicht anders geworden ist. Das ist Heimatkunde.

In der älteren Geschichte Berlins aber werden wir in Zukunft schärfer als bisher drei Zeitabschnitte unterscheiden müssen:

1. Berlin als ein nach deutscher Art kolonisiertes Dorf [Von der Kolonisation bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts].

2. Berlin als Stadt, vergrößert durch die Ländereien des Weddiug [Von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1307].

3. Berlin-Kölln als Doppelstadt [Von 1307 ab].

Letzten Endes aber hat die Geschichte des Hufenlandes nicht etwa nur historisches Interesse. Diese Geschichte hängt auch aufs engste zusammen mit den wirtschaftlichen Lebensfragen, die in unseren Tagen die Gemüter bewegen und die heutige Gemeindepolitik geradezu beherrschen. Warum ist heute jeder Berliner ein unbedingter Anhänger derEingemeindung, während das bekanntlich noch in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durchaus nicht der Fall war? Damals vor 20 und 25 Jahren war die Bebauung des Hufenlandes noch nicht einmal bis zur Verbindungsbahn vollendet. Im Bötzowviertel namentlich lagen riesige Baublocks unbenutzt. Zwischen der Danziger Straße und dem Ostende der Petersburger Straße klaffte eine gewaltige Lücke selbst unmittelbar am alten Kommunikationswege. Auch wer die Entwicklung der achtziger Jahre miterlebt und mitbeobachtet hatte, konnte unmöglich auf den Gedanken kommen, daß schon das erste Jahrzehnt des neuen Jahr­hunderts die ganze noch freie Fläche des ehemaligen Hufenlandes bis zur Pankower und Weißenseer Grenze mit Riesenbauten dicht besetzen und damit schon in so früher Zeit der Reichshauptstadt jede Aus­dehnungsmöglichkeit nehmen würde.

Damit ist für Berlin eine ganz neue Lage geschaffen worden. Nachdem die Reichshauptstadt mit ihrer Bebauung bis an die äußersten Grenzen vorgedrungen ist, die dem kleinen Gemein­wesen bei seiner Stadtwerdung vor beinahe 700 Jahren gesteckt wurden, mußte das Problem Groß-Berlin mit unabwend­barer Notwendigkeit in ein neues Stadium treten, in ein Stadium, das gebieterisch nach baldiger Lösung verlangt. Da auch die räum­liche und wirtschaftliche Entwicklung der Nachbargemeinden nach Entscheidung drängte, hat man zunächst zumZweckverband ge-

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