130
Siedlungsarchäologische Übungen und Studien
griffen. Ob hiermit eine endgültige Lösung gefunden ist? Die Entwicklung schreitet fort, über Menschen und Parteimeinungen hinweg. Unbeirrt geht sie ihren notwendigen Gang. Wer die Geschichte Berlins kennt, darf beruhigt sein. Das unbedingt Notwendige hat sich noch immer durchgesetzt, auch in den 700 Jahren der Entwicklung Berlins.
Siedlungsarchäologische Übungen und Studien im Märkischen Museum.
Prof. Br. Jentzsch: Eine Oslandschaft bei Berlin. (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Gesellschaft, Bd. 67, S. 198—203.)
Nach Jentzsch gehören die Oser oder Wallberge zu den auffallendsten und merkwürdigsten Erscheinungen ehemals vergletscherter Gebiete. In ihrer typischen Entwicklung, wie man sie vor allem in Schweden betrachten kann, sind es oft meilenlange Wälle mit schmalem, meist fast horizontalem Rücken von 10—30 und mehr m Höhe, die nach Gestalt und Inhalt zweifellos von fließendem Wasser unter Beihilfe des Druckes angrenzender Eisrnassen aus Gerollen, Kies oder Sand aufgebaut wurden. Hinsichtlich der Frage nach der Entstehung dieser Aufschüttungen schließt sich Prof. Dr. Jentzsch im wesentlichen der Darstellung an, welche Korn im Jahrbuch der Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt für 1913, Bd. XXXIV, Teil I, Heft 2, S. 181—205 gegeben hat. Diese Wälle unterscheiden sich von den Endmoränen in zweifacher Hinsicht: einmal hinsichtlich ihrer Richtung, da die Oser ungefähr parallel mit den Gletscherschrammen, also senkrecht zu den Endmoränen verlaufen, dann aber auch in Bezug auf den Aufbau, insofern als die Wallberge aus stark abgerollten Geschieben, im Schwedischen Rullsten genannt, bestehen. Ihr Grundriß zeigt die Gestalt eines langgestreckten, stellenweise kurzgekrümmten Flußlaufes, und charakteristisch für den schwedischen Typus ist ferner die Senke, der sogenannte Osgraben, der den Os oft auf beiden Seiten in der Längsrichtung begleitet.
Besonders deutlich tritt der Oscharakter fast in typischer Form im Müncheberger Os östlich und südlich des Kirchdorfes Hoppegarten, 7—10 km westlich der Stadt Müncheberg in der Müncheberger Stadtforst hervor: ein sich lang hinziehender Rücken, der eine dichte Be- streuung mit faust-, seltener kopfgroßen, stark gerollten Geschieben aufweist, von flußartigem Grundriß, zuerst von WSW. nach OSO. verlaufend, dann nach N. umbiegend, einen kurzen Zweig nach S. aus-