6. (3. ordentliche Versammlung’ des XXV. Vereinsjahres.
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Erläuterungen der eifrigen Führerin, die mit Anfragen überstürmt, gleichwohl jedem klaren und zuverlässigen Bescheid gab.
Auf Bahnhof Neubabelsberg trennten sich die anscheinend voll befriedigten Teilnehmer begünstigt durch das prachtvolle Wetter.
G. (3. ordenfl.) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.
Mittwoch, den 27. September 1916.
Vorsitzender: Dr. Kiekebusch.
Dr. Straube, wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Märkischen Museum, hielt einen Vortrag über „die Beziehungen der Bildhauerfamilie Döbel zum Großen Kurfürsten und zu Berlin.“ Über drei Mitglieder dieserFamilie sind wir durch archivalisches Aktenmaterial und hinterlassene Werke unterrichtet. Michael der Ä., ließ sich nach mancherlei Fehlschlägen in Schlesien und Westpreußen zu Königsberg i. Pr. nieder und fand als- Architekt und Bildhauer lohnende Beschäftigung und hohe Gönner. An Leistungen und Erfolgen wurde er jedoch von seinem Sohne Michael übertroffen. Dieser wirkte nach einer dreijährigen Studienreise, welche er auf Kosten des Großen Kurfürsten durch Europa und einen Teil Ägyptens unternahm, ausschließlich in Berlin und Umgebung. Um das Amt des preußischen Baumeisters, das ihm 1667 verliehen wurde und anscheinend bis zu seinem Tode im Jahre 1702 verblieb, kümmerte er sich sehr wenig, dagegen entwickelte er als kurfürstlicher Architekt und Bildhauer eine vielseitige, anerkannte Tätigkeit. Unter anderem war er hervorragend beteiligt an dem Bau des Schlößchens Bornim. Nachdem Biesendorf als „General Quartiermeister Lieutenant“ ins Feld beordert war, führte er als dessen Nachfolger den Bau selbständig zu Ende. Er gelangte zu Wohlstand und Ansehen und hat anscheinend nicht nur im künstlerichen Leben des damaligen Berlins eine große Rolle gespielt.
Nicht minder begabt, aber weniger erfolgreich war sein jüngerer Bruder Johann. In Ostpreußen schuf er eine Reihe ansehnlicher Altäre und Kanzeln. Noch in seinen späteren Lebensjahren wandte er sich dann nach Berlin, aber trotz eifriger Bemühungen gelang es ihm nicht, dauernde Beziehungen zum Hofe anzuknüpfen. Von seinem Können zeugen hier vornehmlich zwei Werke: die Parochialkanzel und der Altar der Nikolai-Kirche. Von diesem ehemals imposanten Altarbau künden nur noch spärliche Reste in der Kirche selbst und im Märkischen Museum. Die erwähnte Kanzel ist besonders interessant, weil sie zeigt, wie Johann Döbel stets bestrebt war, die Provinzialismen