Heft 
(1924) 3
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sich auf der Brouze-Situla von Watsch (700 v. Chr.), welches einem Kultur­gebiet angehört, das. nördlich sowohl wie südlich über das eigentliche Ostalpen­gebiet hinansgreift und sich nach Norden bis Schlesien und Brandenburg aus­dehnt, dem sogenanntenHallstattkreis. Gleichaltrig sind die Darstellungen griechischer Schiffskarren. Das Schiff ist in der Vorzeit immer ein Symbol der Sonne, nicht nur im Norden, sondern auch im Süden. Im Norden finden sich aus dem zweiten Jahrtausend zahlreiche Bilder solcher Sonnenschiffe, ja es wurden bisher über 100 aus Gold angesertigte Schiffe kleinen Maßstabes, sogenannte Goldboote, gefunden. Aus Aegypten sei beispielsweise nur erwähnt, daß der noch zur dritten Dynastie gehörige Sonnentempel von Abukir ein aus Lehm geballtes 50 Meter langes Schiff aufwies.

Die älteste Darstellung eines Schiffskarrens in Europa

innerhalb eines Festzuges, also als Volksbrauch, auf der Situla von Watsch (700 v. Chr.) Der Wagen vor dem Reiter hat die Form eines Schiffes mit Vogelköpfen.

Das Charakteristische des Karnevalsfestes ist, daßalles Kopf steht", d. h. es schlägt alles in sein Gegenteil uni. Humor macht dem Crnst Platz. Der Narr tritt die Herrschaft an, nicht etwa der Weise; der Aermste wird der Reichste, kurz, alle Standesunterschiede sind aufgehoben. Die Ueberlieferungen der Karnevalsbräuche mögen noch so verschieden sein, überall wird ein König abgesetzt und dafür eilt neuer, ein Karnevalskönig, eingesetzt, der jedoch hinter­her schimpflich vertrieben wird. Wozu das alles? Durch Zufall haben wir über deil Sinn des Festes besonders gut iu einem Lande Kenntnis erlangt, näm­lich in Babylonien. Dort liegen ausführliche Schriftberichte vor. Zu Begum des Jahres (Februar) war das Fest, das der wiedergeborenen Sonne galt. Tag war der Nacht gewichen, tot war der Winter, und der Frühling hatte die Herr­schaft allgetreten. Nebo, die Sonne des Westens, weicht Marduck, der Sonne des Ostens, dem werdenden Lichte. Wie fast überall, so galt im Zweistromlande der König für eine Inkarnation Gottes, er war Gottes Sohn, sein Stellvertreter! So führten doch orientalische Könige den TitelDie Sonne". Da aber der Goit nur in einem vollkräftigen, jugendlichen Körper wohnen kann und auch nur so den Gläubigen zu nützen vermag, so muß der schwächer werdende Körper getötet werden, damit die freigemachte Seele in einen anderen, kräftigeren gehen kann. Weil nun im himmlischen Mythos Gott jedes Jahr stirbt und von neuem wiedergeboren wird, so muß mit Notwendigkeit der König, dessen Amt von Haus aus ja lediglich ein rein religiöses ist und kein politisches, auch jedes Jahr sterben. Tatsächlich läßt sich die Tötung des Königs und ebenso die jährliche Tötung des Königs bei zahlreichen Völkern belegen. Selbstredend mußte jedoch bei steigender Kultur bald vom Volk und natürlich vom König selbst versucht werden, diese Härte abzumildern! Wie der Wintergott die Herrschaft dem Frühlingsgott abtritt, so muß auch der König am Jahresschluß einem neuen die Herrschaft abtreten. Der König half sich nun so, daß er kurz vor dem