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Jahresanfang einem Stellvertreter seine Herrschaft abtrat und dieser Stellvertreter dann für ihn in den Tod gehen mußte. Dieser andere war meist ein Sklave oder ein zum Tode verurteilter Verbrecher. Dieser muß nach dem Feste für den richtigen König den Tod erleiden, vorher aber übt er kurze Zeit die Macht aus, geht in Königskleidern einher und hat selbst den Harem des Königs zu seiner Verfügung. War der Schiffskarren mit den Göttern nach feierlichem Umzug im Tempel wieder angelangt, und hatte Marduk die Herrschaft wieder angetreten, nachdem die Götterbilder im Flußwasser für das neue Jahr gereinigt waren, so ergriff der König Marduks Hände, wodurch er wieder von neuem für ein Jahr als König eingesetzt galt, gleichzeitig aber wurde sein Stellvertreter zum Tode geführt. — Das gleiche gilt von den römischen Saturnalien (Karneval), wie auch von dem griechischen Feste des Dionysius, und auch in den deutschen Karnevalsfesten lassen sich diese Beziehungen Nachweisen.
Dr. J. Lechler.
Was alte Kirchenbücher erzählen.
Der neunte lutherische Klosterprediger von Heiligengrabe nach Einführung der Reformation war Paulus Krumbügel, der von sich selbst berichtet:
„Gebürtig aus der alten Stadt Brandenburg, nachdem derselbe in der Stadt Wusterhausen bis ins dritte Jahr erst Eantor gewesen, zuletzt Rector an den Schulen, und darauf 4 Jahr Pastor zu Nitzan und Damelack und hernach 7 Jahr Diaconus zu Wittstock gewesen, ist er anno 1692 den 8. September hierher berufen und folgendes Jahr 1693 den 4. July wegen abermals gestrittener juri8 putwnatus erst angezogeu. Der da wünschet, daß der Gütige Gott ihm wolle geben, nebst Freudigkeit und Stärke in seinem Amt auch dieses, daß er durch Gottes Wort möge selig machen alle, die auf ihn hören, dem Kloster aber nach seinem Abschied ferner bis an das Ende der Welt reine und fleißige Lehrer, die mit allem Ernst halten ob der reinen Evangelisch-Lutherischen Wahrheit und wahren Gottseligkeit, auf daß der Herr allhier bis ans Ende behalten möge einen heiligen Samen, der ihm im reinen Glauben und Gottseligem Leben beständig diene."
Paulus Krumbügel nun hat die ihm anvertrauten Bücher mit Sorgfalt und Liebe geführt, sowohl die Register im Stifte wie die Kirchenbücher in Techow, und in beiden hat er sich nicht nur auf die einfachen Daten beschränkt, sondern manches aus seinem Eigenen hinzugetan. Auch für das, was sich draußen in der Welt begab, hat er ein immer reges Jnterepe gehabt und manche Seite des alten Kirchenbuches ist angefüllt mit Berichten von Dingen, die mit seinem Kirchensprengel nichts zu tun haben. Diesem Umstand verdanken wir nachfolgenden Bericht, oer uns, ohne daß sein Verfasser es im geringsten beabsichtigte, zu einem Kulturspiegel seiner Zeit wird. Zu einem erschreckenden. Es ist nicht lieblich zu lesen, was die Hand des geistlichen Herrn dort niedergezeichnet hat, während sein Herz in Schreck und Empörung zitterte über die Macht der Finsternis und das Anrennen des Teufels gegen die Lutherische Kirche. Aber es läßt uns einen Blick in das Denken und die Auffassungen jener Zeiten tun, es läßt uns in Tiefen des Aberglaubens schauen, vor denen auch wir erschrecken. Zweieinviertel Jahrhundert trennen uns von diesen Dingen. Liegen sie in Wahrheit überwunden hinter uns? — Vor drei Jahren bekam das Heiligengraber Museum einen merkwürdigen Fund zugewiesen. Er stammt von einem Hof in nicht ferner Nachbarschaft von Heiligengrabe, der als verwünscht galt. Die Besitzer wechselten, keiner kam auf einen grünen Zweig. Gesundes kräftiges Vieh ging ein, die Saaten mißrieten. Jeder, der ein paar Jahre darauf gewirtschaftet hatte, war froh, ihn wieder loszuwerden. Wieder war er in andere Hände übergegangen. Der neue Besitzer wollte dine alte Scheune niederreißen lassen. Da fanden die Arbeiter in einem Balken verborgen eine wunder-