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bare Sache: in einem umgebogenen Eisenstück war ein Stück Papier eingeklemmt. Unverständliche Worte waren darauf gedruckt und darüber steht in feiner altmodischer Handschrift geschrieben: „Luzifer, erscheine." Seit einer Reihe von Jahrzehnten hat der alte Balken eine Teufelsbeschwörung geborgen. Wird nun, da sie gefunden ist, der Fluch von dem Unglückshofe weichen?
Das Erzählte soll uns nur einen Blick hineingewähren in die Welt des Aberglaubens, die uns noch heute umgibt, und nun habe der Klosterprediger Paulus Krumbügel das Wort und erzähle uns von dem Aberglauben seiner Zeit. Sein Bericht stammt aus dem Jahre 1694 und ist im Techower Kirchenbuch zu finden. Er lautet:
„In dieseni Jahr haben sich an den drei Evangelischen, Churfürstlichen Höfen drei große Dinge begeben, eines ist res clara*) (eine rühmliche Sache), zwey aber sind casus adonutum tragici (recht tragische Fälle.) Das erste davon hat sich begeben am Churfürstlich Sächsischen Hofe, da der Churfürst selbst Johann Georg, der Vierte, durch Zauberei in der besten Blüte seiner Jahre (denn er mochte kaum 26 Jahre alt sein) elendiglich ums Leben kommen, nachdem es seinem sl. Vater Johann Georg, dem Dritten, auch nicht besser ergangen. Diese erschreckliche und nie erhörte Tragödie verhält sich also. Der Trabanten-General, einer des Geschlechtes von Neidsche, wurde 1689 durch Churfürst Johann Georg den Dritten seiner Charge enthoben, wegen seiner Financierung, die er betrieb in Anrechnung seiner Trabanten, maßen er keinen unter 40 Dukaten zuließ, als mitler Zeit der Churprintz und nachmals Churfürst Johann Georg der Vierte sich mit desselben Generals Tochter, Wider seines sl. Vaters Wissen heimlich in zu große Vertraulichkeit eingelassen. Die Neidsche Familie, wol merkend, daß bei Lebzeit Johann Georg des Dritten sie nicht wieder emporkommen möchte, ist sie beflissen gewesen, denselben aus dem Wege zu räumen, und zwar, weil es auf andere Weise nicht habe werkstellig gemacht werden können, durch Zauberei. Zu welchem Ende die Generalin sonderlich Kundschaft gemacht habe mit 2 Ertz-Hexen, eine im Spreewalde, die andere im Bam- bergischen, und habe durch deren Hülfe den Churfürsten llenta morte hingerichtet, welches also zugangen ist. Sie habe ein Männlein eine Handlang formiret aus haar und wachs und solches im Schloß bei einem gelinden Feuer langsam gebraten, wodurch es geschehen, daß dem Churfürsten große Leibes schmerzen verursachet waren, das Fleisch allgemach verschwunden ist und die Leibeskräfte verzehret sind. Mit welcher Teufelskunst sie per inter- valla temporum sie solange eontenuiret habe, bis das Männlein gar zergangen, und bei dessen Ende auch der Churfürst sein Ende nehmen müssen, und habe die Schmerzen dem Herrn mindern und mehren können, nachdem sie das Männlein näher zum oder ferner vom Feuer gerücket habe. Ungeachtet nun nach dessen Todt sein Sohn Johann Georg der Vierte als der ihn 8ucc6ckirete, sich mit einer Marggräflichen Brandenburgischen aus Franken junge, schöne und gottselige Wittwe vermählete, so habe dennoch das gottlose Weib die Generalin von Neidsche samt ihrem teuflischen Anhang sich bemühet die Liebe zwischen dem neuen Churfürsten und ihrer Tochter zu erhalten, und habe es auch getan durch folgende Zauberei. Sie habe eine gewisse materia auf einem stets brennenden Feuer in einem Kessel in einem Gewölbe heimlich stets kochen lassen. Dadurch sie auch eine so übernatürliche Liebe im Churfürsten erwekket habe, daß er seine so schöne und tugendhafte Gemahlin nichts geachtet und nur an dieser Neidschen Tochter gehangen habe, welche Er auch zur Gräfin hat machen und sich gar vertrauen lassen. Auß dieser kochenden Lutetia habe sie können urteilen, wie beide bezauberte sich gehabt haben. Ist der Kessel übergekocht, so isf die Gräfin von Rochlitz (solchen Namen hatte der Churfürst dieser feiner unseligen Buhle gegeben) zum Churfürsten gegangen; ist aber die muteriu eingesotten, so habe der Churfürst sie nothwendig auf-
') Ärimdmia der Universität zn Halle.