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suchen müssen. Welches denn gemeiniglich also dirigiret worden, daß es eben zu der Zeit geschehen, wenn der Churfürst bei seinem Gemahl der Churfürstin gewesen, da ihn dann solche Angst und Bangigkeit angetreten, daß Er nur eilen müssen, bis Er wieder zur Gräfin kommen, da sich alle Bangigkeit gänzlich verloren habe.
Und da die alte Hexe, die Neidsche Wohl gesehen, daß mit Absterben des Churfürsten die Gräfin sicher fallen würde, habe sie auch diesem Vorkommen wollen mit dieser Zauberei: Sie habe des Churfürsteu und der Gräfin mit Schröpfen abgezogenes Blut in einer Pastete vermischt und beiden verliebten zu essen gegeben, dadurch zu Wege gebracht ist, daß kein Teil ohne das andere leben können, sondern sobald einer von ihnen todt sein würde, und zu faulen anfinge, müßte der andere auch sterben, welches auch (Leider) geschehen. Denn weil die Gräfin gern den Vorzug für däs Churfürsten Gemahl gehabt, und die rechte regierende Chursürstin gewesen wäre, und wann sie etwa einen Prinzen zeugte, denselben zum legitimen 8ucces8oren in der Churwürde gesehen hätte, so ließ sie durch den Churfürsten beim Kaiser an- halten, dieselbe in den Fürstenstand zu erheben. Als ihm aber solches abgeschlagen wurde, kam sie auf diesen gefährlichen Anschlag durch anderer Eingebung, daß sie sich erbot, wenn sie solches erhielte, die Päbstische Religion anzunehmen, und den Churfürsten und gantzen Hof dazu zu per8uaciiren, gegen welche LOn<titione8 der Kaiser auch gewilliget, ihr in ihrem Begehren zu favorwiren. Darauf hat sie sofort re8oIviret am heiligen Oster-Tage auf Päbstisch zu communiciren, und wollte sie dann als regirende Churfürstin auf dem Schloß zu Dresden immerhin romckiren. Aber da die Bosheit aufs höchste kommen war, mußte sie stürzen; denn es gefiel dem Höchsten Gott, seiner großen Langmut, an diesem boshaftigen Weibe erwiesen, hier ein Ziel zu setzen, und ließ sie den heiligen Oster-Tag nicht erreichen, sondern sie mußte noch Mittwochs vor Ostern den unflätigen verteufelten Geist in großer contu8ion aufgeben, und vor Gottes Gericht stellen. So groß die Liebe däs Churfürsten zu dieser schändlichen Hure war in ihrem Leben, so groß war sie auch in ihrem Tode. Denn Er küßte noch das todte Aaß, ließ es fürstlich ankleiden, und in die Churfürstliche Begräbuiß setzen, und gab ihm selbst das Geleite bis dahin. Bald darauf legte sich der Churfürst auch und folgte ihr in gleichfalls großer Lontumon und Gemütsverwirrung nach, worauf Fridericus Augustus, däs Churfürsten Bruder und 5ucce88or der Gräfin Cörper auß der Churfürstlichen Begräbnis herausnehmen und die Generalin von Neidsche als Principalin dieses Unheils sitzen ließ samt allen ihren /Vci3erventen. Als der Cörper Herausgenomnien worden hat sich befunden, daß der Mund aufge- sperret gewesen und die Zunge nicht niedergelegen, sondern mitten iin Maul steif weggestanden ist, als man aber genau zugesehen, hatte sich unter der Zunge des Churfürsten Trauring mit seinen Haaren umwunden gefunden, hatt dein gantzen Chursächsischen Hans den Tod bringen sollen. Gott sei gelobt, der dem gottlosen Wesen gesteuert, und das liebe Evangelische Sächsische Land für den Greuel der Päbstischen Finsternis behütet hatt. Er wolle doch dem Hause Sachsen Gnade geben, in wahrerer Furcht Gottes zu wandeln als bisher geschehen; weswegen auch das Unglück über es verhängt ist. Johann Georg, der Dritte, hatte nebst seinem Tugendhaften Gemahl eine concubine, der Sohn Joh. Georg, der Vierte, folgete dessen Fuß Stapfen nach, darum hatte der böse Geist also Gewalt über sie gehabt. Tob. tt. 17 , 18 . Gotte gebe, daß alle Evangelische Potentaten sich an dieser Herrn Erempel zügeln, sonderlich das noch gut Lutherische Haus Sachsen, damit nicht Gott der Gerechte Richter, diese dies Mahl abgekehrte Gefahr der Päbstlichen Finsternis, endlich gar zulasse, wetm sie ja nicht Evangelisch, das ist dem Evangelium würdig wandeln wollen. Philip. 1 . 17 .