86 —
Dort schichteten nun den Scheiterhaufen die treuen Jäten dem toten Recken; dran hängten sie Helme und Heerschilde, wie geboten der Held, und blinkende Panzer, dann legten sie trauernd den teuren Herrn in des Holzes Mitte, den herrlichen König.
Dann ward von den Männern ein mächtiges Feuer auf dem Berge entfacht, und brauner Qualm, vom Klagegeschrei der Krieger begleitet, stieg gekräuselt empor aus der knisternden Lohe in den stillen Aether — die sterbliche Hülle war hurtig verzehrt von den heißen Gluten.
Nun erhoben aufs neu ob des Herrschers Verlust ihren Wehruf die Männer; die Witwe auch, der geschlungene Flechten die Schläfen umkränzten, beklagte den Gatten, die kummervolle ....
Nun verflog der Rauch in die Fernen des Himmels.
Es wölbten nun der Wettermark Leute den Hügel am Abhang gär hoch und breit und weithin sichtbar den Wogenfahrern.
In der Frist von zehn Tagen war fertig das Werk,
des Ruhmreichen Mal.
. Das weite Grab
nahm auch Ringe und Schmuck und Rüstungen auf,
den ganzen Schatz, den gierige Krieger
dereinst erbeutet: die Erde empfing
das rote Gold — dort ruht es noch jetzt . . .
Dann umritten den Hügel die rüstigen Helden,
der Edlinge zwölf, die.
in Liedern sangen die Leichenklage und den König priesen. Die kühnen Taten rühmten sie laut und sein ritterlich Wesen, in Wort und Spruch sein Wirken ehrend in geziemender Weise. Das ziert den Mann, den geliebten Herrn durch Lob zu erhöhn in treuem Sinn, wenn des Todes Hand aus des Leibes Hülle erlöst die Seele.
Hier haben wir ein lebensvolles Bild von den Begräbnissitten der heidnischen Zeit. Das Lied läßt uns an dem Leid der Mannen lind der Gattin teilnehmen, wir hören die Klage über den trefflichen Toten und sehen die Helden den Hügel umreiten, den sie in mühevoller Arbeit errichtet haben. Er sollte dem Verstorbenen ein Erinnerungsmal sein und das Gedächtnis an ihn wachhalten. Denn der Ruhm, der den Tod überdauert, und ein ehrendes Gedenken bei der Nachwelt war das Höchste, was man nach altgermanischem Glauben dem tapferen Krieger zu teil werden lassen konnte.
So wurden auch unsere Prignitzer Grabhügel errichtet, den Toten zur Ehre und zum Gedächtnis, lind sicher haben lange Zeit die Umwohner mit Ehrfurcht der Toten gedacht. Doch die Geschlechter kamen und gingen. Die Welt erhielt ein anderes Gesicht im Laufe der Jahrtausende. Die Hügel gerieten in Vergessenheit und auch die Namen der Verstorbenen verklangen. Die Ehrfurcht vor den Hügeln ging verloren. Und in der modernen Zeit mit ihren neuen wirtschaftlichen Anforderungen fiel ein großer Teil der intensiven Bodenbearbeitung zum Opfer.
Beim Abtragen der Hügel kamen nun die alten Urnen mit den Brandknochen der Toten zu Tage und ferner die Waffen und Schmucksachen, die Beigaben, von denen auch das Beowulflied erzählt. Und diese Altertümer geben uns wieder Kunde von den vergessenen Toten. Die vorgeschicht-