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Geschichte, als 1387 die Quitzows ihr Treiben begannen, das Gebiet der Prignitz als Vormark bezeichnet wurde. Es war ein Vorgelände vor einer anderen Mark und dies war die Altmark. Von hier ans wurde das deutsche Wesen in die von Slaven bewohnte Prignitz hineingetragen, und zwar von Havelberg, wo 948 ein Bistum gegründet wurde. Damals begnügte man sich aber daniit, die Slaven tributpflichtig zu machen. Dies dauerte aber nicht sehr lange, denn eines Tages erhoben sich die Slaven und trieben alles Deutsche wieder über die Elbe zurück. Bis zum Jahre 1140 wüteten Kriege, und dann kam wieder der deutsche Vorstoß. Diesmal ging er in zwei Gruppen vor sich: ein Bistum' wurde in Brandenburg und das andere wiederum in Havelberg gegründet, das letztere kurz vor dem Jahre 1144. Der über Havelberg nach Vorpommern gehende Weg muß eine Hauptverkehrsader gewesen sein und über Wittstock geführt haben. Trotzdem wurde die Prignitz damals noch nicht dem Deutschtum erschlossen. Bei der Aufteilung des Landes erhielt das Bistum Havelberg verschiedene Länderstrecken, und unter diesen befand sich auch Wittstock, damals Zivitat Witstoka genannt. An eine deutsche Stadt mit Umwallung und Ummauerung kann natürlich noch nicht gedacht werden. Im Anfang des 13. Jahrhunderts findet man zum erstenmal Urkunden, in denen von dem Deutschtum in der Prignitz gesprochen wird, aber den Namen Prignitz kannte man damals noch nicht. Man spricht immer von dem Land zwischen Elbe, Elde lind Dosse. Erst im Jahre 1349 taucht zum erstenmal der Name „Prygnitz" auf. Nun bekam die Prignitz auch den entscheidenden Stempel aufgedrückt, den sie noch heute hat. Im Mittelalter wareu die kleinen Flüsse Elde, Löcknitz, Stepenitz und Dosse von Schiffen befahren und es ist deshalb auch anzunehmen, daß sich an diesen Verkehrswegen Menschen niederließen. Die Eideniederung und auch die Luchs waren im allgemeinen der Gründung von Städten nicht günstig, ebenso nicht die Sandzone. Wenn in dieser letzteren dennoch Wilsnack liegt, so ist das nur eine Ausnahme. Wilsnack war nur ein Dorf und wurde durch das Wunderblut zu einer Stadt gemacht. Wittenberge, Putlitz und die ganze Stepenitzgegend wurden durch das Geschlecht der Putlitze zu dem gemacht, was sie noch heute sind. Die ganzen Städte stammen aus dem 13. Jahrhundert, einige mögen auch schon früher bestanden haben. Gründer waren Markgrafen, Landesherren (Pritzwalk), Putlitze, Flotows (Kyritz) und Geistliche (Havelberg und Wilsnack). Im Jahre 1150 erschien Wittstock als der bedeutendste Ort. Die Befestigungen werden nicht deutschen Ursprungs sein, sondern die Slaven mögen sie errichtet haben. Wie kam nun aber der Bischof von Havelberg dazu, sich in Wittstock festzusetzen? Damals waren noch die Bischöfe und der Markgraf von Brandenburg zwei mit gleichen Rechten versehene Herren, und beide teilten sich das Land der Prignitz, wodurch diese in 11 Distrikte geteilt wurde. Dem Bischof fielen drei Distrikte zu, und zwar Wittstock, Putlitz und Nitzow. Die bischöfliche Terra Wittstock ist ein langer Streifen, zu dem auch Freyenstein gehörte. Im Westen schließt sich an die Terra Pritzwalk; Heiligengrabe gehörte schon nicht mehr zu Wittstock. Der Vertreter des Bischofs hatte in Wittstock seinen Wohnort und sicherte sich auch militärisch durch die Erbauung einer Burg, die er zwischen der Dosse und der Glinze erbaute. Unter dem Bischof Wilhelm, der 1244 regierte, blühte die Stabt auf, und unter dem Bischof von Kerkhoff erhielt Wittstock im Jahre 1248 das Stadtrecht und wurde somit als deutsche Stadt anerkannt. Daß 1249 die Stadt verlegt sein soll, ist eine sehr unsichere Behauptung. 1275 erhielt die Stadt weitere Rechte; es gibt einen Markt, das Rathaus, das gleichzeitig Kaufhaus ist, und die ganze Marktanlage wird in die Hände des Rats gelegt. Vielleicht ist die Tuchmacherei schon damals gegründet worden, aber eine Handelsstadt scheint Wittstock nicht gewesen zu sein, wenigstens haben die Handelsherren nicht mit in der Hansa gesessen, was von Perleberg, Havelberg, Kyritz und Pritzwalk deutlich gesagt wird. In der Urkunde von 1275 heißt es u. a. auch, daß der Rat die Einnahmen aus dem Markt für Befestigungen anzuwenden habe, also der Bischof entledigte sich eines Teiles der Unterhaltungskosten. Ob der Rat nun die heute noch sichtbare Mauer errichtete, ist zweifelhaft, aber der Zug der Mauer ist Wohl derselbe geblieben. Bon dieser