Heft 
(1925) 2/3
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oder daß eine Heranwachsende Stadt die Bevölkerung nach und nach an sich zieht. Kriegerische Unruhen und Besitzstreitigkeiten, die in unserm Grenzland zwischen Brandenburg und Mecklenburg nicht allzu selten waren, ließen manches Dorf eingehen und verhinderten einen Wiederaufbau. Der Hauptgrund für das Auftreten der vielen Wüstungen ist in unserer Gegend wohl in den schlechten Bodenverhältnissen zu sehen. Abgesehen von einigen Stellen ist das Land sandig und wenig ertragreich; 38 Dörfer mit einer Bevölkerung, die vorwiegend von Ackerbau leben will, konnten bei den Wirtschafksverhältnissen des Mittel­alters hier nicht gedeihen. Im Zeitalter der deutschen Kolonisation war dies unfruchtbare Land überbesiedelt.

Auch in der Vorzeit hat der Mensch es versucht, in dieser Gegend seine Wohnungen zu errichten und mannigfache Funde zeugen davon. Am stärksten war die Besiedlung in der Steinzeit und Wendenzeit. Auch diese ältesten Funde erzählen von einem Schwanken in der Besiedlungsdichte, genau so wie in der historischen Zeit. Wenn in andern Gegenden genug Land zur Verfügung stand, mied man den sandigen Landstrich.

Zum Schluß sei allen denen herzlicher Dank gesagt, die auf Grund ihrer Ortskenntnis durch freundliche Auskunft die Arbeiten der Landesaufnahme ge­fördert haben. Ganz besonderer Dank gebührt Herrrn W. Wille (Berlin) und Herrn Erhard Müller (Blesendorf), die bei der Entdeckung und Absuchung der alten Dorfstellen wertvolle Hilfe geleistet haben.

Führung durch das Museum.

I. Unsere Bauernstube.

Heute möchte ich unsere Museumsmitglieder bitten, einen Gang durch die Bauernstube des Museums mit mir zu machen. Sie enthält Bauerngerät, das gewissermaßen zeitlos ist, weiß aber allerhand zu erzählen von unseren Voreltern, und aus manchem der Gegenstände sieht die Vergangenheit uns mit so trauten nnd vertrauten Blicken an, daß es uns ganz eigen bewegt.

Freilich zeigt unsere Bauernstube keine alte, gediegene Einrichtung, wie sie etwa in einem wohlhäbigen Bauernhause vor 100 oder vor 50 Jahren üblich gewesen sein mag. Es ist zusammengetragenes Gerät, zu dem die halbe Prignitz beigesteuert hat, Lind das nur notdürftig zu einer Einheit zusanunengeschlossen ist. Aber der Eindruck ist doch ein traulicher geworden und vor allem, die mancherlei Dinge erzählen dem heutigen Geschlechts, dem die Maschine und die Elektrizität bis hinein in das häusliche Leben dient, davon, wie ihre Großeltern sich noch behelfen mußten mit trübem Oellämpchen oder der Unschlittkerze und wie sie so manches, was man sich heute nur schnell vom Kaufmann holt, sich selber gar mühsam Herstellen mußten. Aber sie erzählen auch, wie bei so eigener Arbeit die Freude am Schönen in den Menschen erwachte, und wie in aller Bescheidenheit doch ein Stückchen bäuerlicher Kunst auch auf unserem kargen Boden erwachsen ist. Denn karg war der Boden durch die Not des großen Krieges geworden uud mit den wohlhabenderen Gegenden Deutschlands läßt sich das Kulturbild unserer Prignitz nicht vergleichen.

Aber die Dinge sollen selber zu uns reden. Da ist das Stück, das in keiner, auch der bescheideneren Wirtschaft, nicht fehlen darf, die große Truhe, die Mutters Leinenschätze, wohl auch ihren Kirchen- und Hochzeitsstaat, birgt, und noch so manche schlichte Kostbarkeiten, die immer neue Freude und Staunen bei den Kindern erwecken, wenn sie einmal hervorgekramt werden. Die unsere stammt aus dem Jahre 1773 und ist ein Geschenk von Gehrcke.

Die schöne bunte Malerei ist schon ein wenig verblichen, und sie zeigt auch nichts von den kostbaren Metallbeschlägen, mit denen solche Truhen zuweilen geschmückt sind, aber sie hat ihrem Zweck getreulich gedient und ist mit ihrer bunten, blau und roten Malerei in ihrer Art ein Schmuck für die Stube gewesen.