die Freundlichkeit des Herrn Oberförsters^Harnisch, weitgehendste! Unterstützung zu Teil wurde.
Das sind also die wüsten Dorfstellen des Mittelalters in der Nordostecke des Kreises (östlich der Dosseh deren Lage sich nach den archäologischen Funden einwandfrei hat feststellen lassen. Es ist eine stattliche Zahl. Doch sind damit noch nicht sämtliche Orte genannt, die in dieser Gegend eiugegangen sind. Eine Durchsicht der Urkunden ergibt noch folgende wüste Feldmarken: Sedlitz, Vorneholte, Groß-Raderang, Klein-Raderang, Wnmezowe, Grosi-Bale, Klein-Bake, Schild, Neueudorf, Dünamunde, Glawe und Grosz-Berlin Auch Zempow und Klein-Zerlang haben einmal wüst gelegen. Zählen wir diese Wüstungen (abgesehen von Glawe und Grosz-Berlin, die sich bielleicht mit Nr. 12 und 13 decken) mit den obengenannten Dorfstellen und den Dörfern zusammen, die im Mittelalter gegründet sind und sich bis heute erhalten haben, so ergibt sich, dasz im 13./14. Jahrhundert mindestens 38 Dörfer in dem kleinen Zipfel unseres Kreises östlich der Dosse gestanden haben. Dazu kommt ein Schloß bei Zechlin (heute Flecken Zechlin), ein Klosterhof bei Dranse und ein Klosterhof bei Dünamunde.
Die volkstümliche Ueberlieferung schreibt den Untergang dieser Dörfer meist den Wirren des dreißigjährigen Krieges zu. Doch mit Unrecht! Als dieser Krieg unser Land heimsuchte, lagen sie schon wüst, wie sich bei den meisten urkundlich belegen läßt. Sehr früh, am Anfang des 14. Jahrhunderts, war Grvß-Bale verödet; 1436 wurden Groß-Berlin, Glawe, Schönfeld und Musternde als Wüstungen genannt. Das Landbuch der Herrschaft Ruppin von 1525 nennt Buchholz, Gadow, Luhme, Neuendorf, Repente und Klein-Zerlang als verlassene Orte, aus dem Erbregister von 1574—1575 ergibt sich, daß damals beide Bale, Lutterow, Groß-Raderang, Klein-Raderang, Groß-Wallitz und Zempow nicht mehr bestanden. Der Verödnngsprozeß beginnt also schon im 14. Jahrhundert und ist im Wesentlichen im 16. Jahrhundert (vielleicht auch schon früher) abgeschlossen. Bon den 38 Dörfern, die im Mittelalter östlich der Dosse standen, waren gegen Ende des 16. Jahrhunderts nur noch 9 oder 10 bewohnt. Es waren Babitz, Groß-Haszlow, Klein-Haßlow, Zootzen, Schwein- rich, Dranse, Berlincheu, Sewekow, Dorf Zechlin und Randow (?>. Weite Strecken des Landes lagen lange Zeit fast ganz unbewohnt da, besonders stark war die Verödung im östlichen Teil, in der seenreichen Zechliner Gegend. Erst die zielbewußte Bevölkerungspolitik der preußischen Könige im 18. Jahrhundert, besonders Friedrichs des Großen, hat wieder Wandel geschaffen. Unter Friedrich II. werden Klein-Zerlang, Luhme, Repente, Neu-Lutterow, Alt-Lutterow, Rnderang, Herzdorf und Siebmannshorst mit Koloniste» besetzt.
Diese vielen mittelalterlichen Dörfer waren zum Teil Neugründlingen aus der Zeit der ostdeutschen Kolonisation, zum Teil geheil sie auf ältere Ansiedlungen der Weudeuzeit zurück. Orte wie Wusterade, Schönefelde, Neuendorf, Buchholz, und Herzdorf zeigen deutlich durch ihren 'Namen, das; sie erst in der Zeit der deutschen Besiedlung angelegt sind. Der Name von Wusterade allein erzählt schon, das; die Siedler in einem unbewohnten Gelände sich einen Wohnort schaffen mußten. Doch die größere Zahl der Orte hat slawische Namen: Klein- Zerlang, Luhme, Repente, Zechlin, Wallitz, Lutterow und andere. Dies Weiterbestehen der alten Ortsnamen läßt darauf schließen, daß die wendischen Orte in der deutschen Zeit weiter bewohnt wurden. Und dieser Schluß wird durch die Bodenfunde bestätigt: eine ganze Anzahl dieser Dorfstellen hat außer den mittelalterlichen Scherben auch wendische geliefert (so Luhme, Repente, Alt- Wallitz und Lutterow). In diesem Zusammenhang ist von Interesse, daß noch im Jahre 1266 Repente urkundlich als ein Dorf mit slavischen Einwohnern bezeichnet wird.
Die Ursachen, die zur Verödung der mittelalterlichen Dörfer geführt haben, können verschiedener Art sein. Wie wir oben scheu, kann in dem behandelten Gebiet der Dreißigjährige Krieg nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Ein Ort kann dadurch veröden, daß 2 kleinere Dörfer znsammengelegt werden