Heft 
(1925) 2/3
Seite
25
Einzelbild herunterladen

2o

Neben der Truhe darf die Anrichte nicht fehlen. Hier stehen die Teller und Schüsseln für den täglichen Bedarf, gegen die Querleisten gelehnt die bunt­bemalten Teller und Schüsseln, zum Teil Bauerntöpferei der eigenen Gegend, wie unsere schönen Blumenthaler Töpfe, Teller und Schüsseln mit ihren kernigen Sprüchen und ihrer freundlich weißen Verzierung auf dunkelbraunem Grund. In die Einschnitte der Querleisten sind die Löffel gesteckt Auch schön bemalte Krüge, der Paartopf, in dem das Essen aus das Feld gebracht wird und die tönerne Bratpfanne für besonders leckere Bissen fehlt nicht.

Das wichtigste Gerät für die Hausfrau der alten Zeit aber ist das Spinn­rad. In unserem Museum findet sich noch der alte Wockenständer, von dem früher der Faden mit der Spindel abgesponnen wurde, mit der Spindel, die schon im Märchen von Dornröschen ihre Rolle spielt, die aber auch schon vor Tausenden von Jahren unseren Vorfahren bekannt war, wie die unzähligen Funde von Spinnwirteln in Gräbern und Siedlungen bezeugen. Daneben finden sich aber auch zwei zierliche Spinnrädern ns dem vergangenen Jahrhundert, bei dem einen ist der Wocken in eine bemalte Papiertülle, wie sie damals üblich waren, gesteckt, den anderen schmückt ein schönes buntes, selbstgewebtes Band Schließlich ist noch ein drittes Spinnrad aus rohem unpoliertem Holz vor­handen. Die Freude am besonderen zeigt sich in der verschiedenartigen Aus­gestaltung der Wocken. Zum Teil sind sie bunt bemalt, mit kleinen Fähnchen geschmückt, oder sie haben auch eine zierliche Schnitzerei an der Spitze, darunter das beliebte Rädchenmuster, das wie ein Nachklang aus alter Zeit auch bei anderen Gegenständen wiederkehrt.

Neben dem Spinnrad steht der Stuhl, hier haben wir einen ehrwürdigen Stuhl mit Armlehnen aus dem Jahre 1777, ganz schlicht, aber in seinen ruhigen Verhältnissen überaus ansprechend. Er steht zwischen Wiege und Tisch. Der Tisch ist zur Mahlzeit gedeckt, 2 einfache Holzschemel, aber auch mit gefällig geschnitzter Rückwand, warten der Konimenden. Der bequeme Armstuhl ist wohl für die Großmutter berechnet, die an der Wiege sitzen bleibt und spinnt, während die anderen draußen auf dem Felde sind. Aber auch etwas anderes versäumt sie nicht, das Lesen im Gesangbuch, das aufgeschlagen mit ihrer alt­modischen Brille darauf auf dem Tische liegt. Der Tisch trägt die große Schüssel mit der Suppenkelle, daneben steht der Krug mit dem kühlen Trunk für die Heimkehrenden. Ein Tuch mit blauer Leinenweberei, wie sie in früheren Jahr­hunderten in Deutschland hergestellt wurde, ist als Decke darunter gebreitet.

In der gegenüberliegenden Ecke steht ein Tisch mit allerhand Küchengerät. Da ist eine große tönerne Bratpfanne, ein dreifüßiger eiserner Kessel, ein breit ausgebauchter eiserner Krug, da ist auch die alte Kaffeeröste, die in zwei Formsteinen ruht.

Aber zur Behaglichkeit einer bäuerlichen Stube gehört noch ein anderes Gerät: die ruhig tickende Wanduhr. Hier haben wir zwei von diesen schönen alten Stücken, die in ihrem schlichten braunen Gehäuse mit der bunten Blumen­malerei auf dem Ziffernblatt einen so anheimelnden Eindruck machen und jedem Raume zur Zierde gereichen. Auch in dem Schnitzwerk an den Wiegen hat sich häufig der bäuerliche Kunstsinn erprobt. Die beiden hier vorhandenen sind aber nur einfache Vertreter ihrer Art. Sehr ansprechend dagegen ist die über dem Tisch an der Wand befestigte Schnitzerei, die gewiß ehemals irgend ein Möbelstück geschmückt hat. In besonderer Weise aber hat sich die Kunst der Haubenschachtel bemächtigt. Hier wurde des Vaters ehrwürdige Perücke oder die Haube der Mutter nach jedem Ausgang sorgfältig bewahrt. Es scheinen beliebte Hochzeitsgeschenke gewesen zu sein, denn meist sieht man ein Paar, von Blumen umgeben, darauf abgemalt, oft ist noch ein Spruch zugefügt, etwa: An Gottes Segen ist alles gelegen. Die eine dieser in ihrer Art wirklich be­achtenswerten Schachteln trägt die Jahreszahl 1788.

Auch aus der guten alten Zeit stammen die gewaltigen blauen Regen­dächer, die für den Ausgang einer ganzen Familie bestimmt erscheinen. Unser Museum hat vier davon. Der eine Anrichtetisch enthält nun noch eine ganze