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Anzahl von alten Waagen, runden Bügeleisen verschiedener Größe, die für das Ausbügeln von Haubentollen bestimmt waren, und kleinen Oelläinpchen und Leuchtern, bei deren trübem Licht früher in den Winterabenden gesponnen und geschnitzt wurde. Es ist noch garnicht so lange her, daß sie von der Petroleumlampe abgelöst wurden und schon ist auch diese fast überall im wahren Sinne des Wortes zum alten Eisen geworfen und wird, so wenig uns das heute noch klar werden will, ein Sammelgegenstand für unsere Museen, weil sich in ihr eine vergangene, schnell überwundene Kulturepoche spiegelt. Denn die Aufgabe unserer Museen, besonders der Heimatmuseen 'ist ja, nicht schöne Gegenstände zu sammeln (obwohl es herzliche Freude macht, wenn ab und an auch ein solcher mit unterläuft) sondern alles, was uns die Vergangenheit für unsere schnellebige Gegenwart beleben kann. Darum sei auch an dieser Stelle noch einmal an unsere Mitglieder die Bitte gerichtet, „altes Gerümpel" nicht ohne weiteres wegzuwerfen. Es mag manches darunter sein, was kulturgeschichtlich für unsere Vergangenheit von Bedeutung ist und wohl wert wäre, in unserem Museum vor dem Vergessen geschützt zu werden.
II. Einige Stücke altkirchlicher Kunst.
Sahen wir in den häuslichen Geräten unserer Bauernstube, wenu auch in bescheidenster Weise, Kunstwollen zum Ausdruck gebracht, so tritt uns in dem kleinen, für kirchliche Gegenstände bestimmten Raum unseres Museums echte Kunst entgegen. Freilich, auch sie trägt bäuerischen Charakter. Aber das vermindert in unseren Augen ihren Wert nicht. Das zeigt nur, daß sie keine seelenlose Nachahmung fremden Knnstbesitzes ist, sondern daß die, die diese Dinge schufen, sich wohl nach den großen Schulbeispielen jener Zeit richteten, sei es, daß die Anregungen von Süddeutschland oder vom Norden, von Lübeck, her kamen — daß sie aber das, was sie sahen, und wohl auch nachahmten, zugleich in ihre eigene Sprache übertrugen. Und daß sie etwas im eigenen Besitz hatten, ums sie dazu zu geben vermochten. Nicht die elegante Form besaßen sie, nicht die Kenntnis des Körpers, nicht die Gesetze des Raumes, aber das herzliche, starke Gefühl, ein ungebrochenes Empfinden, das sich rein und wahrhaft rührend durch all die Unbeholfenheit der Form an uns wendet.
Sehen wir das holzgeschnitzte Kruzifix. Die Arme fehlen. Der Körper ist dürftig, viel zu klein im Verhältnis zum Kopf, anatomisch ganz unzulänglich. Auf die Einzelheiten ist kein Gewicht gelegt, wohl aus dem mangelnden Können bestimmt. Man sehe die summarische Behandlung der Füße. Aber doch spricht das ungeschickte Machwerk in ganz seltsamer Weise zu uns, stärker vielleicht als manche Arbeit voll Schwung und technischem Können. Das liegt an dem Ausdruck dieses schmerzvoll ein wenig geneigten Hauptes. Auch hier ist auf keine Einzelausführung Gewicht gelegt. Die Haare sind in derben, gleichmäßigen Massen um den Kopf geordnet, der Bart ist spärlich angedeutet. Die Flächen des Gesichts sind groß und einfach behandelt. Aber dieser feiner Arbeit ungewohnten Hand gelang das Wesentliche: der Ausdruck stillen, herben Leides einer großen Seele. Die kleine Figur, 62 cm hoch, entstammt einer Dorfkirche der Prignitz und gehört in das 15. Jahrhundert.
Aus der Klosterzeit von Heiligengrabe hat sich durch die mannigfachen Schicksale hindurch die Heilige Arma Selbdritt erhalten, die ich selbst erst vor ein paar Jahren in einem Winkel des Kirchenbodens entdeckte. Auch dies
Figürchen ist nicht höher als 52 cm. Es zeigt das beliebte Motiv der heiligen
Anna, die die Jungfrau Maria und das Ehristuskind zugleich auf dem Arm trägt. In Süddeutschland, besonders in der Ulmer Gegend, trifft man sie häufig, aber auch in die Mark hat sie ihren Weg gefunden, wie etliche derartige Figürchen in dem Berliner Märkischen Museum beweisen. Auch in Wustrau, im Kreise Ruppin, ist eine heilige Anna erhalten. Doch unterscheidet sie sich
erheblich von der unseren. Einmal sitzt bei ihr die kleine Maria rechts und
das Christuskind links, zum anderen erscheint sie wie eine langgereckte, schlanke, verträumte Jungfrau. Ganz anders unser klenkes Bildwerk. Hier haben wir