Heft 
(1930) 1
Seite
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Mtsommer, Johannis.

Jetzt konnnen wir gegangen mit Spießen und mit Stangen und wolln die Knacken langen.

St. Johannis die Sonne wend,

Feuerrad bergunter rennt,

Ungelück zu Asche brennt!

Feuerrote Blümelein St. Johannis schenke Wein, schenk uns einen Dreier oder Met und Eier;

Besen sind nicht teuer seis ein alter oder neuer taugt er zum Johannisfeuer Huja, huja, Hurlesritt komm und singe, tanze mit!

(Volkslied.)

Zu Mittsommer, dem längsten Tag im Jahre, brannten in allen deutschen Landen die Sonnwendfeuer. Das Christentum tat recht daran, diesen tiefsinnigen alten Volksbrauch beizubehalten als Johannisfeuer. Was war denn der Sinn dessen, daß der Deutsche in der Sonnwendnacht Feuer zündete? Es erscheint uns so tief empfunden, ist dabei doch schlicht und einfach-natürlich, denn die Natur predigt es zu uns eindringlich und klar. Könnten wir Non heute doch wieder recht ihrer Predigt lauschen! Läuterung, Tod, kündet das Feuer mitten in der Blütezeit des Jahres, wo das Korn wogt und der Wald rauscht, wo über Wiese und Hain würziger Duft, Blütenduft lagert. Die Blüte muß vergehen, um Frucht zu bringen. So bedeutet Hochzeit auch Tod. Der Held Sigfrid, der die Sonne verkörpert, stirbt auf der Höhe seiner Kraft, an seinem Hochzeitstage zur Sonnenwende, getroffen von den Mächten der Finsternis. Baldur, der lichte Gott, erliegt am gleichen Tage dein Geschoß des Bösen, Lokis Ränken. Der Winter nimmt von nun an Tag für Tag dem Sommer von seiner Macht. St. Johannis, der Verkünder des Größeren,'stirbt amJohannistage" ebenfalls dahin, um ihm Platz zu machen. Blüte vergeht, Frucht kommt, das ver­kündet der loderndeScheiterhaufen Baldurs".

Die Burschen eilen durch das Dorf, Strohbunde zu holen für das Feuer. Die Mädchen gehen, um von den Leuten die Blumen einzusammeln, die etwas bedeuten und