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, wann selbige des Vermögens, die Unkosten erstattet werden sollen. Wie ihr dann ratione publicationis et executionis das Behörige zu veranstalten und übrigens die zu An- nehmung Annen Catharinen Schobbesinn nötige Ordre beygehend in Originali zu empfangen habet. Sind Euch mit Gnaden gewogen.
Geben Berlin, den 3ten November 1738.
Aufs Seiner Königl. Mas. Spezial-Befehl ist dieses von dero Crohn-Printzen Königl. Hoheit unterschrieben.
Fridrich.
An die Gerichte des Closters zum Heil. Grabe. Daß wegen Diebstahls,
"Andreas Henrich Baling und Samuel Stapel mit dem Strange vom Leben zum Todte gebracht, Anne Catherine Schobbesin. wegen Verheelung gestohlener Sachen mit 3 jähriger Spinn-Hauß-Arbeit bestrafet und Anne Sophie Wedekings des Landes verwiesen werden sollen.
Dieser Brief ist in mancher Hinsicht wichtig. Einmal ist er ein Unicum, darin, daß Friedrich der Große als Kronprinz ein Todesurteil unterzeichnet hat. Zum anderen gewährt er uns einen lebendigen Einblick in die Gerichtsverhältnisse der damaligen Zeit, und ist so insbesondere für die Geschichte von Heiligengrabe von Wichtigkeit. Heiligengrabe hat von alters- her eigene Gerichtsbarkeit besessen, und auch noch im 18. Jahrhundert haben alljährlich Gerichtssitzungen in Heiligengrabe stattgefunden. Noch aus dem Jahre 1845 gibt es Abbildungen aus dem Stift, unter denen sich auch das sogenannte Richterhaus befindet. Dies lag an der jetzigen Pritzwalker Chaussee, wo der Weg zur Stiftsheide einbiegt ans der rechten Seite, also ein Stück vor der jetzigen Oberförsterei. Bei den Gerichtssitzungen präsidierte der jeweilige Stiftshauptmann, dem ein Gerichtsherr, ein Syndikus, als Gesetzverständiger zur Seite gesetzt war. Die Urteile, wie aus vorliegender Schrift hervorgeht, sogar Todesurteile, bedurften dann nur der Königlichen Bestätigung um rechtskräftig zu werden.
Außerordentlich interessant ist, daß von Seiten der Damen aus zur Regierungszeit Friedrich Wilhelms des Ersten der Anspruch erhoben wurde, diesen Gerichten beizuwohnen. Die spätere Domina zu Putlitz, deren energischem Auftreten schon als Conventualin eine wirkliche Reorganisation des gesamten Klosters und die Beseitigung zahlreicher Mißstände zu danke«