In einem ganz anderen Ton sind die Bittgesuche der Juliane von Putlitz gehalten. Ihr Dank für erwiesene Gnade ist immer kurz, ihre Darstellungen der ihr widerfahrenen Unbill knapp. Sie schließt daran jedesmal sofort die Bitte, durch königlichen Befehl auf die und die Art dagegen aufzutreten und schreibt regelmäßig vor, mit welcher Strafe der Konvent oder die Vorsteher im Falle des Nichterfülleus bedroht sein sollen, und siehe, die Verfügungen des Königs wiederholen jedesmal beinahe wörtlich die Vorschriften des Freifräuleins. An mutigem Verstand hat es ihr wahrlich nicht gefehlt.
Da der Königliche Herr den Vorstellungen des Konvents und der Domina durchaus kein Gehör schenkt, und er, als sie sich schließlich bereit erklären, das Fräulein von Putlitz nach dem Heimgang der jetzigen Domina zur Domina zu erwählen, wenn sie nur jetzt der alten Dame nicht aufgezwungen würde, einfach erwidert, wenn sie für später bereit wären, sie als Domina anzuerkennen, so sähe er um so weniger Grund, weshalb sie nicht gleich in das vorbereitende Amt eingeführt werden solle, so müssen sich die Vorsteher entschließen, den Königlichen Willen auszuführen. Sie erscheinen am 24. April 1721 im Kloster und begeben sich zunächst zu der alten Domina, die den Konvent schon versammelt hat. Hier werden wunderliche Bedingungen gestellt. Es mag noch hingehen, daß verlangt wird, die neue Vice Domina solle bis znm Tode des Fräulein von Juggard in ihrem Rang bleiben, obwohl auch das in Wahrheit ein Umgehen der königlichen Verordnung bedeutet, aber sie verlangen, Juliane von Putlitz solle mit Herz, Hand und Mund geloben und insonderheit eine schriftliche Versicherung darüber geben, daß sie auch später als Domina von allen Neuerungen abstehen wolle und alle Königlichen Verordnungen und Klosterstatuten in allen Punkten halten wolle. Das heißt, man wird zum König gewählt, muß aber vorher versprechen, nicht regieren zu wollen.
Die Vorsteher verfügen sich darauf in das Haus der Freiin von Putlitz, legen ihr das soeben abgefaßte Protokoll vor, das noch die Forderung enthält, sie solle sich im Rang unter das älteste Fräulein, ein Fräulein von Freyberg, einordnen, und reden zu, gutwillig zu unterschreiben Juliane von Putlitz liest das Protokoll, und erklärt dann, wie aus dem Bericht der Vorsteher hervorgeht, mit großer Freundlichkeit, dies Schriftstück keineswegs unterschreiben zu wollen. Sie versichere nur, daß sie sich bei Lebzeiten der Domina keine Regierung anmaßen wolle, daß sie der Priorin ihren Rang lasse und daß sie nach erfolgter Einführung unterschriftlich bezeugen wolle, daß sie