Heft 
(1931) 1
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allen Königlichen Verordnungen und Statuten getreu nach­leben wolle.

Die geplagten Vorsteher kehrten also wieder in das Haus der Domina zurück, und bestanden nun, weil derTag meistens verlausten" ans sofortige Einführung der Vice Domina in ihr Amt. Diese Einführung mußte im Refectorium stattfinden, da in der abgebrannten Kirche der Gottesdienst noch nicht wieder gehalten werden konnte. Die Vorsteher ersuchten also den Konvent, sich dort hinzuverfügen, sie selber begaben sich wieder zu der Freiin,nahmen sie in die Mitte und führten sie in das Refectorium." Hier hatten sich mittlerweile von den 25 Damen des Konvents 5 eingefnnden. Arme, künftige Domina, ist es nicht ein kleines Häuflein, das sich zu dir bekennt? Fünf, und Wohl alles jüngere Damen, die erst nach der Putlitz eingeführt wurden. Und die zwanzig anderen, die alten und älteren, standen zürnend um ihre beleidigte Domina. Nicht einmal die Priorin war erschienen. Das möchten böse Vor­zeichen sein.

Es ist natürlich, daß der Konvent nun auf seine alte Art, solche Fragen zu behandeln, zurückgeht, auf die der stummen Widerspenstigkeit. Man läßt die Sachen gehen, alles bleibt wie zuvor, und als die Domina ein halbes Jahr darauf erkrankt, verwaltet die Priorin ihre Geschäfte. Kurz und flammend berichtet die Putlitz über diese Nichtachtung seines Willens an den König. Die Vorsteher werden angehalten, die Sache in Ordnung zu bringen. Was tun sie? Sie berufen sämtliche Stiftsdamen und befragen sie, welche Gründe sie haben, sich wider die Priorin zu stellen. Bei dieser allgemeinen Unter­suchung kommt noch ein kleiner Sonderfall zur Sprache, der zeigt, wie ungünstig diese Streitigkeiten schon auf einige der jüngeren Damen gewirkt haben. Einem Fräulein von Wenckstern wird vorgeworfen, sie habe sich Urlaub nach Carboß geben lassen, sei dann aber nach Wittstock gefahren, hätte sich daselbst auf die Post gesetzt und sei nach Berlin gereist, wo sie lange Zeit geblieben wäre. Diese verteidigt sich, sie habe das aus Not getan. Man sei gegen sie in der letzten Zeit sehr schwierig mit Urlaub, was ihnen aber die neue Domina schoneinremmen" solle. Nebrigens, schließt sie ihre unverschämte Entschuldigung, sei sie gar nicht weit an Carboß vorbeigefahren.

Der König las das Schriftstück der Vorsteher mit ersicht­lichem Stirnrunzeln.

Wir mögen euch in Gnaden nicht verhalten, daß wir euch solches gar nicht aufgetragen, die Closterjungfern zu ver­nehmen und befremdet uns solches euer Vornehmen nicht wemg,