Heft 
(1931) 1
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schrieb er zürnend. Dann verlangte er Schutz der von ihm bestimmten Vice Domina in allen ihren Rechten, und wies vor allem darauf hin, daß ihm diese mitgeteilt, wie die Kloster­rechnung wegen Alters und Schwäche der Domina schon seit 2 Jahren nicht abgenommen sei. Es solle nicht aus Affect gegen die Vice Domina in diesen wichtigen Sachen etwas ver­säumt werden. Zum Schlüsse aber heißt es, wie erim übrigen mit höchstem Mißfallen vernommen, wie einige der membri3 des Closters, in 8pecie die von Wenckstern sich schnöde und unanständig gegen sie, die Vorsteher, verhalten," und droht mit schwerer Strafe, selbst mit Heraussetzen aus dem Kloster.

Die Vorsteher sahen nun keinen Ausweg mehr, als den so entschieden zum Ausdruck gebrachten Willen des Königs zu erfüllen. Ziemlich schweren Herzens begaben sie sich von neuem in das Kloster. Sie hatten den 5. Dezember dafür angesetzt und gingen zunächst wieder in das Haus der alten Domina. Hier waren 18 Damen versammelt, denen die Königliche Ver­ordnung vorgetragen wurde, deren letzter Sinn ja war, daß die Vice Domina die Regierungsgeschäfte zu übernehmen habe. Den versammelten Damen wird noch einmal mitgeteilt, daß der König schuldigen Respekt für die Vice Domina verlange. Was die Damen erwidert haben, wird nicht gesagt. Wieder be­geben die Herren sich daun in das Haus der Vice Domina und teilen dieser mit, welche Verfügung den anderen Damen soeben übermittelt worden sei. Die Freiin hört sie an, bedankt sich und erwidert dann, daß dies aber noch nicht genüge, sondern es müsse ihr auch der ihr zustehende Rang nach außen ge­bührend merkbar gemacht werden, sodaß ihr Stuhl in der Kirche neben dem der Domina zu stehen habe. Also wieder zurück zur Domina. Bei dieser befindet sich noch die Priorin. Beide erwidern kühl, sie hätten nichts dawider, daß der Stuhl der Vice Domina immerhin neben den der Domina gesetzt werde. Die Vorsteher lassen dies die Freiin durch einen Boten wissen, und beauftragen den Kornschreiber, H. Stindtmann, den Stuhl sogleich an die gehörige Stelle zu bringen, und der Vice Domina mitzuteilen, daß dieses geschehen sei. Der Bote kehrt mit einer neuen Botschaft zu den erschrockenen und ermüdeten Männern zurück, die diese aber überhören. Juliane von Putlitz läßt nämlich sagen, es schiene ihr in der Ordnung, daß ihr der Stuhl nicht nur hingestellt, sondern daß er ihr auch in der Kirchenversamm­lung des Konvents angewiesen würde, ebenso wie in der Kapitelversammlung. Die Vorsteher sind froh, ihr Tage­werk wenigstens soweit geschafft zu haben, und treten wieder ab.