Heft 
(1931) 1
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Schon eine flüchtige Untersuchung der Fundstelle ergab, daß neben einer Anzahl der Stnbbenlöcher Scherben und Leichen­brand herumlagen, daß es sich also um einen größeren Fried­hof handeln mußte. Bereits der erste Versuchsgraben zeigte, daß dieser Friedhof auf das dichteste belegt war und daß er bis auf die verhältnismäßig geringen Zerstörungen durch das Roden ziemlich unberührt war. Die Urnen gehörten ihrer Form und ihrem Inhalt nach der späten Kaiserzeit an. Der seltene Umstand, einen durch Waldbestand geschützt gewesenen und des­halb fast unversehrten Friedhof anzutreffen, dazu noch aus einer für unsere Prignitz so bedeutsamen Zeit, ließ uns den Entschluß fassen, eine umfassende Grabung durchzuführen, um­somehr, als das Gelände später wieder aufgeforstet werden sollte, wo dann durch Tiefpflug diese ehrwürdigen Zeugen einer großen Vergangenheit restlos zerstört worden wären. Den Um­fang der Arbeit, die vor uns lag, konnten wir dabei nicht ahnen. Die Grabungszeit erstreckte sich vom 1. Juli bis zum 3. August, freilich mit Unterbrechung von Regentagen. Die Grabung wurde unter meiner Leitung durchgeführt, unterstützt von Fräulein Siebert-Pritzwalk, zuerst mit einem, dann mit zwei, darauf mit drei und endlich mit vier Arbeitern. Eine weitere Hilfe hatten wir nicht. Ihr Ergebnis waren 278 Urnen­gräber und über 50 Brandstellen. Die Urnen standen zu einem ziemlich erheblichen Teil in Steinpackungen, auch ganze Pflaste­rungen kamen vor. Dies und die so zahlreichen Brandstelle» unterscheiden den Friedhof von den Friedhöfen in Dahlhausen, Kuhbier und Kyritz. Nach der Nordostseite lagen die Gräber überdicht, vielfach standen die Urnen hart neben und über­einander. Um diesen Mittelpunkt zogen sie sich in mehr ge­lockertem Kreis nach Ost und Süden zu. Ein Haferseld, das noch nicht abgeerntet war, gebot nach Südwesten zu der Grabung ein Halt. Hier werden, um den ganzen Umfang des Friedhofes festzustellen, noch kleinere Nachgrabungen notwendig sein. Männer-, Frauen- und Kindergräber waren auf dem Friedhof nicht getrennt, sondern fanden sich sogar mitunter in kleinen Gruppen, vielleicht Sippengräbern, vereint. Beigaben fanden sich sehr reichlich. Etwa zwei Drittel aller Urnen hatten solche, wenn auch nur ein Stück Urnenharz, das bemerkenswert reichlich auftritt. Eine große Anzahl von Fibeln, reichlich Knochen­nadeln, Glasperlen, sehr häufig Schlüssel und Beschläge von kleinen Kästen, die den Schmuck enthalten zu haben scheinen, Messer, endlich aber auch Lanzenspitzen und Streitärte und, was das beachtenswerteste ist, Schildbuckel und Schildfessel kommen vor. Das Auftreten dieser letzteren, zusammen mit den sehr späten Formen einiger Gefäße, die mit dicken Wülsten