Heft 
(2020) 27
Seite
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Mädlow& Rudolph: Ergebnisse der Haubenlerchen- Kartierung in Brandenburg 2015-2016

Siedlungsdichten wie heutzutage im Niederen Flä­ming dürften bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhun­derts hinein in vielen Gebieten Brandenburgs üblich gewesen sein. Mit der für Haubenlerchen ungünsti­gen Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und der Entwicklung von Siedlungsstrukturen sowie der allgemeinen Eutrophierung der Landschaft mag die Bodenbeschaffenheit eine größere Rolle für den Erhalt der Restbestände spielen als dies bei günstigen Umweltbedingungen früher der Fall war.

Lebensraum

Wohnblockbebauung ist als Lebensraum inzwischen weitgehend bedeutungslos geworden. Das war er­wartet worden( KRÜGER in ABBO 2001, MÄDLOW& RUDOLPH 2008), weil Freiflächen zwischen älteren Wohnblöcken inzwischen durch Sukzession oder Grünanlagenpflege bewachsen und neuere Bauge­biete kaum mehr für Haubenlerchen geeignet sind. Im ländlichen Raum verschwinden Haubenlerchen, wenn Stallanlagen geschlossen werden. Die Tendenz zur Verschönerung von Dörfern durch Versiege­lung oder Bepflanzung brachliegender Offenflächen leistet einen weiteren Beitrag zum Lebensraumver­lust. Die allgemeine Eutrophierung trägt dazu bei, dass geeignete Gebiete schneller zuwachsen und für die Haubenlerche verloren gehen.

Bereits bei der Auswertung der letzten Erfas­sung( MÄDLOW& RUDOLPH 2008) wiesen wir darauf hin, dass Schutzmaßnahmen für diese zwar nicht global, aber in Deutschland hoch bedrohte Art auf­grund ihrer speziellen Lebensraumansprüche kaum realistisch möglich sind. Die Entwicklung der letzten Jahre in Südostbrandenburg zeigt, wie schnell ganze Regionen von der Haubenlerche aufgegeben werden können. Es bleibt die Hoffnung, dass diese ehemals so typische und vielen Menschen vertraute Art der Kulturlandschaft wenigstens in einigen Gunstgebie­ten wie dem Fläming noch überdauern kann.

Literatur

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Anhang 1: Umgrenzung der Probeflächen

Region Wittenberge: brandenburgische Anteile der Messtischblätter 2936( Wittenberge Nord) und 3036 ( Wittenberge)

Region Templin: frühere Verwaltungsgrenze( bis 1993) des Kreises Templin

Zeschdorf: Messtischblatt 3552( Alt Zeschdorf) Frankfurt: Stadtgebiet von Frankfurt/ Oder Schlaubetal: Naturpark Schlaubetal und angrenzende Flä­chen: im Westen begrenzt durch die Orte Müllrose- Mix­dorf- Oegeln- Oelsen; im Osten begrenzt durch die Orte Schernsdorf- Fünfeichen- Möbiskruge- Lawitz- Kumro­Ratzdorf- Oderverlauf bis Nordteil Guben- Groß Breesen­Schwerzko- Treppeln

Region Beeskow: frühere Verwaltungsgrenze( bis 1993) des Kreises Beeskow

Niederer Fläming/ Luckenwalde: die Fläche wird um­grenzt von den Ortschaften Jüterbog- Kloster Zinna­Luckenwalde- Felgentreu- Kemnitz- Nettgendorf- Glau­