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Ebensowenig wie — entgegen derzeitiger Ueberlieferung — die benachbarte Kolonie Heidelberg von Friedrich dem Großen hergeleitet werden darf, scheint — entgegen Dafürhalten der Forschung^)—das Töpferhandwerk in Blumenthal friderizianischen Ursprungs zu sein.
Und doch hat bei beiden Anfängen ein und derselbe Mann Pate gestanden!
„Der Tagelöhner Zedow hat 1822 von dem Rittergutsbesitzer Hans George v. Ribbeck von dem zum Rittergut Blumenthal gehörigen Revier, „Buschstücken" genannt, einen Ackerfleck gekauft und sich darauf ein Wohnhaus erbaut." Gleicher Weise ist für die Jahre 1822—26 die Ansetzung der übrigen 7 ersten Kolonistenstellen auf „Blumenthaler Buschstücken" beurkundet, die seit 1829 Heidelberg heißen.
Sodann: nach seinen Paten König Friedrich Wilhelm III. und Hans George von Ribbeck wird 1822 benannt Friedrich Wilhelm Hans Lotzien, geboren lt. Taufverzeichnis „auf der Töpferei zu Blumenthal". Da das Kirchenbuch zuvor den Töpferberuf nicht erwähnt, hier aber schlechthin von „der Töpferei zu Blumenthal" spricht, haben wir uns das Blumenthaler Töpferhandwerk, dessen einst blühenden Umfangs — man spricht von 12 Meistern — heutzutage vor allem noch gedacht wird, Wohl als um 1810—20 beginnend vorzustellen ch.
Nachkommen Blumenthaler Töpfer bewahren mit dem der Familie eigenen Sinn für unzeitgemäße Werte die letzte Töpferscheibe und Gefäße, deren fast jedes dem Sammler nach Bestimmung wie Gestalt eine Ueberraschung bedeutet, und übergeben sie jetzt — aufatmend, da dunkle Pflicht erfüllt scheint — dem Museum in Heiligengrabe, das somit statt bisher 40 heute 76 Blumenthaler Gefäße besitzt.
Die Reize solcher Sammlung für den Volksfreund sind mannigfach. Jede derartige Kaffeekanne etwa ist wie eine Person mit ihrer Nachbarin in vielem überein, in vielem von ihr abweichend, sie zeigt wohl edlen Meistersinn in der Bemessung der Bodenbreite zur Höhe, im leichten Ansatz der Tülle. Stets
sowie Erich, Tonerden, in: Spanier, Die deutsche Volkskunde, I, 1934, S. 436—46. Beiden Werken ist der erste und letzte der Sprüche entnommen, die übrigen mündlicher Blumenthaler Ueberlieferung.
2) Erich-Beitl, a. a. O. S. 267. Weniger bestimmt Brunner, Ostdeutsche Volkskunde, 1925, S. 54.
3> Auch F. W. A. Bratring, Statistisch-topographische Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg, 1804, giot Bd. IS. 474 für Blumenthal auf das Jahr 1800 an: „12 Ganzbauern, 6 Büdner. 9 Einlieger, 2 Rademacher, Schmiede, Wassermühle", also noch keinen Töpfer.