Aeber die
völkische Zugehörigkeit des Runddorfes.
Bon Dr. Waldtraut Bohm.
§7j ls die Geographie im 19. Jahrhundert dazu überging, die
Zustände auf unserer Erdoberfläche nicht mehr nur zu beschreiben, sondern auch die Versuche nach einer Erklärung des heutigen Siedlungsbildes immer stärker in die Erscheinung traten, rückte neben mancherlei anderen Problemen sehr bald auch die Frage nach der Ursache der Vielgestaltigkeit des Dorfbildes in den Vordergrund.
Die Eintragung der verschiedenen Dorftypen in eine Landkarte ergab, daß diese nicht willkürlich über ganz Deutschland verstreut sind, sondern die einzelnen Formen im allgemeinen räumlich abgegrenzte Verbreitungsgebiete haben. So findet sich z. B. das Haufendorf im nördlichen und nordwestlichen Deutschland, Westfalen zeigt ein starkes Vorherrschen des Einzelhofes, das Straßendorf erfüllt den deutschen Osten, während das Runddorf im wesentlichen eine Nord-Süd-Ausbreitung längs des Flußgebietes der Elbe zeigt, in das ja auch unsere Prignitz mit ihren Runddörfern hineingehört. Zu den Haufendörfern gehört auch das sog. Platzdorf, ein Haufendorf mit rundem Mittelplatz, das dem Runddorf mindestens sehr verwandt ist.
Man glaubte lange Zeit die Ursache dafür ganz allgemein in völkischen Unterschieden finden zu können. So hielt man das Haufendorf für die typisch germanisch-deutsche Siedlungsform, den Einzelhof schrieb man den Kelten zu, gewisse Arten des Straßendorfes und das Runddorf wurden für slawische Dorfformen gehalten usw. Dazu kommen dann noch Reihendörfer, Weileru. a., die einzelnen deutschen Stämmen eigen sind.
Bald wurden jedoch Einwände gegen diese oder jene Zuweisung der Dorfformen laut. Die größte Einigkeit herrschte und herrscht über das Haufendorf, das als germanisch-deutsche Dorfform bestehen bleibt. Umstritten war die Zugehörigkeit der Einzelhofsiedlung Westfalens, die aber für unsere Betrachtung hier ausfällt. Die größten Gegensätze entstanden über die völkische Zugehörigkeit des Runddorfes, das die einen den Slawen, die anderen den Deutschen zuweisen wollten. Robert Melke ging sogar einen Schritt weiter und bezeichnet^ das Rnnddorf als eine typische Siedlungsform der germanischen Sweben. Dafür