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spricht zwar z. T. die Ausbreitung des Runddorftyps, weitere stichhaltige Beweise fehlen bisher aber leider aus Mangel an Untersuchungen. Der Streit um das Runddorf ist bis auf den heutigen Tag noch nicht zu Gunsten der einen oder der anderen Theorie entschieden. Es sind im Laufe der Jahre eine Anzahl neuer Gesichtspunkte in die Debatte geworfen worden, ohne daß eine befriedigende Lösung erfolgt wäre.
So hat vor allem August Meißen darauf hingewiesen, daß das Rundlingsproblem nicht gelöst werden könne ohne Beachtung der Flurform, d. h. der Art der Aufteilung des Ackerlandes unter die Bauern des Dorfes. Meißen hatte festgestellt, daß zur deutschen Siedlungsform die Gewannflur gehöre, während die Slawen die Blockform hatten. Beim Rundling beobachtete er ein Drittes, nämlich die fächerförmige Aufteilung der Flur im Anschluß an den Hof, die also nach seiner Theorie demnach auch slawisch sein müßte.
Welche Gründe sprechen nun für oder gegen die Bezeichnung des Runddorfes als einer slawischen Siedelform?
Die Verfechter dieser Theorie stützen sich in erster Linie darauf, daß das Verbreitungsgebiet des Runddorfes sich mit der Ausbreitung der Westslawen decke. Außerdem trüge die Mehrzahl der Runddörfer slawische Namen, wodurch der Rundling genügend als slawische Dorfform gekennzeichnet sei.
Für beide Behauptungen gibt es jedoch schwerwiegende Gegengründe. Der eine ist der, daß es in dem ganzen heutigen Slawengebiet — abgesehen von wenigen Einzelfälleu — überhaupt keine Runddörfer gibt. Diese müßten aber mindestens in dem Ursprungsgebiet der Slawen vorhanden sein, aus dem ihre Westwanderung seinerzeit eingesetzt hat. Außerdem ist dieser Dorftyp durchaus nicht über das ganze Ausdehnungsgebiet der Weftslawen des frühen Mittelalters verbreitet. Ein anderer Grund gegen die slawische Herleitung des Rundlings liegt darin, daß in großen Gebieten, in denen Runddörfer Vorkommen, weit über 60 °/» derselben deutsche Namen tragen. Diese Behauptung gilt für die Altmark, noch mehr aber für Thüringen. Ein weiterer Grund, der wie die beiden ersten schon seit langer Zeit gegen die Slawentheorie geäußert worden ist, bezieht sich auf die Flurform. Diese müßte, wenn der Rundling slawisch wäre, die Blockeinteilung zeigen. Ein sehr großer Teil der Runddörfer, auch solche mit fächerförmiger Aufteilung, zeigt aber die germanische Gewannflur. Außerdem ist in mehreren Fällen nachgewiesen worden, daß die fächerförmige Fluraufteilung eine spätere Form ist, die aus älterer Gewannflur umgebildet worden ist. Auch gibt es fächerförmige Flurauf-